Inge Holzinger ist 80 geworden!

Inge Holzinger

Inge Holzinger, die Seele des Duisburger Friedensforums, ist dieses Jahr 80 Jahre alt geworden. Wir gratulieren herzlichst!

„Erich Kästner muss sie schon gekannt haben! – unsere Friedensfreundin, Kriegsgegnerin und Antifaschistin …, ist sie doch die Fleisch gewordene Symbolfrau seiner „Fantasie“.
 „Du hast entsprechend Deiner Lebenserfahrung und Deiner humanistischen Gesinnung alle Kraft darauf verwendet, mit viel Geduld und Ausdauer jungen Menschen Friedensliebe, Demokratie und Achtung vor dem Mitmenschen und dem Leben nahe zu bringen.“

Diese Worte stammen aus der Laudatio von Willi Hofmeister, die er anlässlich der Verleihung des Düsseldorfer Friedenspreises 2006 an Inge hielt. Wir erinnern:

Düsseldorfer Friedenspreis 2006

Laudatio: Willi Hofmeister

Der Dichter Erich Kästner schrieb 1929, zwischen zwei Kriegen, seine „Fantasie von Übermorgen“.

Und als der nächste Krieg begann
da sagten die Frauen: Nein
und schlossen Bruder, Sohn und Mann
fest in der Wohnung ein.

Dann zogen sie in jedem Land
wohl vor des Hauptmanns Haus
und hielten Stöcke in der Hand
und holten die Kerls heraus.

Sie legten jeden über’s Knie
der diesen Krieg befahl:
die Herren der Bank und Industrie,
den Minister und General.

Da brach so mancher Stock entzwei
und manches Großmaul schwieg.
In allen Ländern gab’s Geschrei,
und nirgends gab es Krieg.

Die Frauen gingen dann wieder nach Haus
zu Bruder und Sohn und Mann
und sagten ihnen: der Krieg sei aus.
Die Männer starrten zum Fenster hinaus
und sahen die Frauen nicht an…

 

Liebe Freundinnen und Freunden,
Kolleginnen und Kollegen,
verehrte Anwesende,

mir fällt heute die ehrenvolle Aufgabe zu, einige Worte zur Verleihung des Friedenspreises 2006 der Düsseldorfer Friedensgruppen zu sagen. Und ich möchte gleich noch einmal auf Erich Kästners Fantasie von Übermorgen zurückkommen: Ich kann nur feststellen, nicht nur die Düsseldorfer Friedensbewegten, auch Erich Kästner muss sie schon gekannt haben! – unsere Friedensfreundin, Kriegsgegnerin und Antifaschistin Inge Holzinger, ist sie doch die Fleisch gewordene Symbolfrau seiner „Fantasie“.

Liebe Inge,
und das bezieht sich nicht nur auf den von Kästner beschriebenen Stock. Mir ist nicht bekannt, dass Du in deiner 30jährigen Tätigkeit als Lehrerin diesen beim Unterricht gebraucht hättest.

Nein, Du hast entsprechend Deiner Lebenserfahrung und Deiner humanistischen Gesinnung alle Kraft darauf verwendet, mit viel Geduld und Ausdauer jungen Menschen Friedensliebe, Demokratie und Achtung vor dem Mitmenschen und dem Leben nahe zu bringen.

Diese Deine Einstellung vom Leben kam sicher nicht von ungefähr?

1933 in das gerade den Hitlerfaschisten überlieferte Deutsche Reich hinein geboren, hast Du in jungen Jahren in Hannover, Deiner Geburtsstadt, den Krieg und seine Auswirkungen hautnah erleben müssen. Bis 1943 „durch das Feuer gerannt“, wie Du mal sagtest. Sicher wurde hier in der Bomben-Angst der Kern Deines Hasses auf den Krieg gelegt.

Die Befreiung 1945 von Faschismus und Krieg war für Dich Erlösung und Befreiung gleichermaßen. Die beiden Worte: NIE WIEDER! Wurden zum unverbrüchlichen Bestandteil Deines weiteren Handelns.

Während Deines Studiums an der Uni Bielefeld hattest Du erstmals Kontakt zur Friedensbewegung. Verfolgtest mit Unverständnis und Ablehnung die Wiederbewaffnung durch die Regierung Adenauer. Auf der politischen Ebene beeindruckten Dich die Gründerin der Deutschen Friedensunion Renate Riemeck sowie Arno Behrisch u.a. sehr.

Entsprechend dieser Erfahrungen war Dein weiterer Weg auf der linken Seite des Pfades vorgezeichnet. Einige Stichpunkte dazu:

  • 1963 Dein Eintritt in die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, verbunden mit einer aktiven gewerkschaftlichen Arbeit
  • 1968 Beginn Deines organisierten politischen Lebens mit dem Eintritt in die DKP

Langeweile war, ist und bleibt sicher ein Fremdwort in Deinem Leben …

  • war es in den 1970er Jahren die „Aktion kleinere Klassen“
  • Dein Einsatz beim Krefelder Appell
  • Der Kampf gegen Berufsverbote
  • Deine beständige Arbeit im Friedensforum Duisburg
  • und nicht zuletzt das tägliche Eintreten gegen Ausländerfeindlichkeit, eng verbunden mit Deiner Hilfe im Asylbewerber-Café.

Vieles ließe sich noch anführen, bis zur heutigen aktiven Unterstützung der sozialen Bewegungen.

Ach ja, da war und ist ja noch etwas: Die Sache mit dem Ostermarsch!

Die Friedenschronik verzeichnet:

  • 1962 erstmalige Teilnahme von Inge am Ostermarsch in Niedersachsen.
  • Dann kam ihr Umzug nach Duisburg und der Ostermarsch Ruhr hatte eine neue aktive Mitstreiterin mehr!

Seitdem hat Inge alle Ostermärsche mitgemacht. Nein, nicht nur mitgemacht, sondern auch bei der Organisierung des jährlichen Drei-Tages-Marsches kräftig und wenn es denn sein musste, auch heftig in die Speichen des Schwungrades gegriffen.

Und da bekam schon manch einer symbolisch den „Kästner´schen Stock“ zu spüren, wenn er da meinte, sich auf seiner faulen Haut ausruhen zu können.

Liebe Freundinnen und Freunde,

Ein ganz persönliches Wort an Inge sei mir noch gestattet:
Es ist bekannt, liebe Inge, dass Du die Seele des Duisburger Friedensforum bist. Ich möchte Dir aber gerade heute ein herzliches Dankenschön sagen für Deine beharrliche, vorwärtstreibende, aufopfernde Arbeit, die Du im Ostermarsch-Komitee leistest.
Dein Eintreten für unsere gemeinsame und gute Sache kommt nicht zuletzt aus deiner Erkenntnis herhaus, dass Frieden nicht nur allein durch das notwendige Demonstrieren auf der Straße erreicht werden wird, sondern alle gesellschaftlichen Kröfte überzeugt werden müssen, sich für eine andere, friedliche Politik einzusetzen.

Düsseldorfer Preisverleihung an Inge Holzinger 2006

Liebe Inge,
wenn Dir hier heute der Friedenspreis der Düsseldorfer Friedensbewegung im Rahmen dieser Abschlussveranstaltung des ersten Tages unseres dreitägigen Ostermarsches Rhein-Ruhr 2006 verliehen wird, kann ich nur dagegen:

Die Wahl war gut! Da Wahl ist richtig! Du hast den Friedenspreis mehr als verdient! Herzliche Gratulation!

Dir besonders und uns allen gemeinsam ein herzliches GLÜCK AUF  für eine erfolgreiche Friedensarbeit und noch viele Ostermärsche!

Denn, so würde Erich Kästner heute sagen: Der Krieg ist noch nicht aus!

 

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