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siehe auch ->> andere Beiträge "Deutsche (Außen)kriegspolitik" Ausgewählte Meldungen von www.german-foreign-policy.com 27.
November 2004: Führende deutsche Außenpolitiker arbeiten weiter auf
einen Umsturz in der Ukraine hin und verlangen die Inthronisierung
ihres prowestlichen Favoriten Wiktor Juschtschenko. Seine Anhänger
belagern in Kiew die Verfassungsorgane, einige bereiten mit Straßensperren
einen Bürgerkrieg vor. Die angedrohten Gewalttätigkeiten finden in
Berlin Beifall. Sprecher der deutschen Regierungsparteien schreiben
die Staatsstreichvorbereitungen einer angeblichen
,,Demokratiebewegung" um Juschtschenko zu. Das Juschtschenko-Bündnis
stützt sich u.a. auf antisemitische und extrem nationalistische
Kreise der Ukraine. Dies berichtet die Londoner ,,British Helsinki
Human Rights Group" (BHHRG). Mitglieder rechtsextremer
Organisationen ,,befanden sich bereits nach dem ersten Wahlgang unter
den Demonstranten für Juschtschenko", bestätigt John Laughland
(BHHRG) dieser Redaktion. Die für den Berliner Favoriten kämpfenden
Antisemiten und Ultranationalisten verstehen sich als Nachfolger
ukrainischer NS-Kollaborateure, die unter der deutschen Besatzung
Massenpogrome veranstalteten. Damals wie heute paart sich ihr
Rassismus mit anti-russischem Nationalitätenhass. Moskau begegnet den
aktuellen Umsturzversuchen mit hilflosen Verhandlungsmanövern, um
seine westlichen Konkurrenten zu einer freiwilligen Abgrenzung der
Einflusssphären zu bewegen. 26. November
2004: Der deutsch-französische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS soll
mit dem französischen Rüstungsunternehmen Thales fusionieren und so
im Rüstungsgeschäft ein stärkeres Gegengewicht gegen die
US-Konkurrenz bilden. Trotz des gemeinsamen Interesses an der
Konzentration der europäischen Rüstungsindustrie konkurrieren
Deutschland und Frankreich weiterhin um die Führung innerhalb von
EADS. Der Machtpoker um die künftige europäische Kriegsindustrie
ruft den Widerstand Londons hervor, das als enger Verbündeter der USA
die deutsch-französischen Ambitionen bremst. Die angestrebte ,,neue
Machtbalance" zwischen Berlin und Paris würde die Position Großbritanniens
entscheidend schwächen, da sie die Übernahme von Teilen des größten
britischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns BAE Systems durch EADS
vorsieht. 21. November
2004: Die
,,Nordafrika Mittelost Initiative der Deutschen Wirtschaft" (NMI)
will die transkontinentale deutsche Wirtschaftsexpansion forcieren und
regelmäßige Zielkonferenzen für Exportunternehmen veranstalten. Zu
den Einsatzgebieten gehören die rohstoffreichen Staaten Nordafrikas
und des Mittleren Ostens. Das erste Finanzierungstreffen soll am 11.
Februar 2005 in München stattfinden und wird der dortigen ,,Konferenz
für Sicherheitspolitik" angegliedert. Damit schreitet die
Legierung militärischer und zivilwirtschaftlicher Strategien der
deutschen Außenpolitik weiter voran und wird verstetigt. Zu den
NMI-Trägerorganisationen gehört der Nah- und Mittelost-Verein, der
im Jahr 1934 gegründet wurde und das siebzigjährige Kontinuum
zivil-militärischer Wirtschaftsexpansion verkörpert. 8. November
2004: Der ehemalige Staatskonzern Deutsche Post verbessert durch die
Zusammenarbeit mit einem japanischen Unternehmen seine Stellung auf
dem lukrativen japanischen Markt. Er unterstützt damit Bemühungen
der Bundesregierung, den sinkenden deutschen Wirtschaftseinfluss in
Japan wieder zu festigen. Um die deutsche Position in Asien insgesamt
zu stärken, müsse auch der Einsatz militärischer Mittel erwogen
werden, fordert die regierungsnahe Berliner Stiftung Wissenschaft und
Politik: ,,Europa" habe ,,militärische Kapazitäten zur Förderung
seiner fernöstlichen Interessen" bereitzustellen. 2. November
2004: Das deutsche Energieunternehmen Wintershall AG will mit der
libyschen National Oil Company (NOC) auf dem Gassektor enger
zusammenarbeiten und so die deutsche Abhängigkeit von Lieferungen der
Russischen Föderation verringern. Die Annäherung Libyens, die
bereits in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre begonnen hat, führt
zu weitergehenden Begehrlichkeiten der Berliner Außen- und
Wirtschaftspolitik. Deutsche Industrie- und Finanzverbände kündigen
eine ,,Finanzierungskonferenz zur Region Nordafrika Mittelost"
an, die ,,operative Fragen" von ,,Exportvorhaben und
Investitionen in der Region" dienen soll. Ihre ökonomische
Expansion will die deutsche Wirtschaft mit militärpolitischen
Planungen abstimmen. Da die entsprechenden Märkte ,,teilweise mit
spezifischen Sicherheitsrisiken belastet" seien, werde die
Veranstaltung, wie es heißt, ,,in direkter Kooperation mit der Münchner
Konferenz für Sicherheitspolitik durchgeführt". Die jährlich
stattfindende Konferenz dient der Abstimmung kriegswichtiger Vorhaben
der westlichen Industriestaaten. 28. Oktober
2004: Das deutsch-französische Rüstungskonsortium EADS sein
US-amerikanischer Rivale Boeing werden künftig bei der
Satellitennavigation kooperieren. Die beiden Konzerne koordinieren das
unter deutscher Führung stehende Satellitennavigationssystem
,,Galileo" und das US-Navigationssystem ,,Global Positioning
System", die beide für Kriegseinsätze zur Verfügung stehen
sollen. Die Zusammenarbeit eröffnet EADS Zugangsmöglichkeiten zu den
fortgeschrittenen US-Militärtechnologien und schafft damit die Möglichkeit
für eine Verringerung des US-Vorsprungs auf dem Gebiet der Rüstungstechnik.
Da das ,,Galileo"-Projekt ,,von deutscher Seite dominiert"
wird, rechnen deutsche Raumfahrtmanager damit, dass zudem ein großer
Teil des ökonomischen Ertrags in Deutschland verbleibt. 21. Oktober
2004: Die Bundesregierung will mehrere hundert Leopard-Panzer der
Bundeswehr an die Türkei verkaufen. Das Land gilt deutschen Militärexperten
als Vorposten in der islamischen Welt und als geostrategischer Brückenkopf
in den Nahen und Mittleren Osten und nach Asien. Die Türkei hat in
der Vergangenheit des öfteren im kurdischen Autonomiegebiet im
Nordirak militärisch interveniert und droht auch heute noch mit
solchen Einsätzen. Berlin setzt sich mit dem Export von
Kriegsmaterial über EU-Richtlinien hinweg, die die Ausfuhr jeglichen
Waffenmaterials untersagen, wenn es in ,,Spannungsgebiete"
gelangen könnte. Deutschland hat in den letzten Jahren seinen Anteil
am internationalen Handel mit Kriegsgerät erheblich ausgeweitet
und finanziert mit den Erlösen die Aufrüstung des eigenen Militärs. 19. Oktober
2004: Wer einen Menschen fesselt, knebelt, an einen Stuhl bindet und
den Hilflosen sodann durch gewaltsames Ersticken auf grausame Weise zu
Tode bringt, handelt in einem ,,minder schweren Fall von Körperverletzung".
Dies entschied gestern ein Frankfurter Gericht in Übereinstimmung mit
der zuständigen Staatsanwaltschaft. Die amtliche Würdigung hat zur
Voraussetzung, dass es sich bei dem Getöteten um einen afrikanischen
Flüchtling und bei den Tätern um deutsche Beamte handelt. Das
Tatmerkmal der Grausamkeit sei nicht zu erkennen, entschied das
Gericht. Die Grenzschutz-Beamten wurden auf freien Fuß gesetzt und können
weiterhin als Hoheitsträger der Bundesrepublik Deutschland tätig
sein. Menschenrechtsorganisationen kritisieren unterdessen weitere Fälle
schwerer Menschenrechtsverletzungen im Verlauf von Abschiebungen unerwünschter
Flüchtlinge. 16. Oktober
2004: Die Konkurrenz zwischen dem deutsch-französischen Luft-,
Raumfahrt- und Rüstungskonzern EADS und seinem US-amerikanischen
Rivalen Boeing führt zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen der
Europäischen Union und den USA. Beide Seiten beschuldigen sich
gegenseitig, unerlaubte Staatsbeihilfen vergeben zu haben. Während
gegenläufige transatlantische Wirtschaftsinteressen im Streit um EADS
und Boeing eskalieren, haben sich führende Rüstungs- und
Telekommunikationsfirmen aus den USA und Europa in einem Konsortium
zusammengefunden, das gemeinsame Standards für die elektronisch
vernetzte Kriegsführung festlegen soll. Die Kooperation erhöht die
Schlagkraft gemeinsamer europäisch-amerikanischer Angriffe, führt
aber auch zu einem insbesondere von Berlin angestrebten
Technologietransfer an europäische Armeen. 11.
Oktober 2004: Berlin besteht weiterhin auf der Errichtung von Flüchtlingslagern
in Nordafrika. Einer entsprechenden Forderung des deutschen
Innenministers hat sich jetzt auch die sozialdemokratische Vorsitzende
des Innenausschusses des Deutschen Bundestags, Cornelie
Sonntag-Wolgast, angeschlossen. Europäischer Repräsentant der
deutschen Lager-Aktivitäten ist der designierte EU-Kommissar für
,,Justiz, Freiheit und Sicherheit", Rocco Buttiglione. Der
Berliner Lager-Vorstoß provoziert Konflikte mit mehreren europäischen
Staaten, die den Verlust ihres traditionellen Einflusses in Nordafrika
befürchten. Die Auseinandersetzung um das deutsche Vorhaben soll
Mitte Oktober auf einem Treffen der ,,G 5" fortgesetzt werden.
Berlin hat unterdessen die Lieferung von Marine-Schnellbooten an
Tunesien zugesagt und demonstriert mit der eigenständigen Aufrüstung
der nordafrikanischen Küstenüberwachung seine nationalen
Handlungsoptionen. 10.
Oktober 2004: Militärstrategen der Europäischen Union präzisieren
die von Berlin angestoßene EU-Sicherheitsstrategie und ziehen einen
atomaren Erstschlag in Betracht. Bereits die von Berlin initiierte
EU-Militärdoktrin - die erste in der Geschichte der EU - sieht die Möglichkeit
zur Führung von Angriffskriegen (,,Präventivkriegen") ausdrücklich
vor. In einem jetzt vorgelegten ,,European Defence Paper", das
unter Mitwirkung eines ehemaligen deutschen Staatssekretärs
erarbeitet wurde, werden der EU-Erstschlagstrategie auch Atomwaffen
zugeordnet. In die Präventivkriegsoption könnten britische und französische
Nuklearstreitkräfte ,,explizit oder implizit" einbezogen werden,
heißt es. 4. Oktober
2004: Die deutsche Außenpolitik droht Russland mit Unterstützung des
tschetschenischen Separatismus und verlangt ersatzweise
,,gestaltenden" Einfluss im Nordkaukasus. Es müsse ein
,,Dialog" mit der russischen Irredenta begonnen werden, heißt es
in dem jüngsten Tschetschenien-Beschluss von Bündnis 90/Die Grünen.
Als mögliche Partner gelten kaukasische Separatistenclans oder Teile
der zentralrussischen Opposition. Die komplementäre Taktik schlägt
das Bundeskanzleramt ein und offeriert Moskau freie Hand in Grosny,
sofern den deutschen Regionalinteressen Genüge getan wird. Damit
aktualisiert Berlin seine traditionelle Ostpolitik und verteilt ihre
unterschiedlichen Optionen auf beide deutschen Regierungsparteien. 9. Oktober
2004: Grenzstreitigkeiten zwischen Saudi-Arabien und Yemen sind
Gegenstand von Verhandlungen in der Bundesrepublik Deutschland. Die
Gespräche finden am Sitz einer Firma für Luftbildaufnahmen statt,
die im westfälischen Münster beheimatet ist. Das Unternehmen, das
bereits an der Grenzziehung zwischen Saudi-Arabien und Oman beteiligt
war, sei als ,,Kompetenzzentrum" ,,von besonderem Interesse"
für die Berliner Außenpolitik, erklärt der sicherheitspolitische
Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen. Die Luftbildkartierung gehört
zu den Spezialinteressen der deutschen Auslandsspionage. 6. Sept.
2004: Bei einer heute beginnenden Botschafterkonferenz des Auswärtigen
Amtes in Berlin wird die politische Hierarchisierung des
konsularischen und diplomatischen Dienstes vorangetrieben. Die
Konferenz, zu der rund 200 höhere Beamte aus fast sämtlichen
deutschen Auslandsvertretungen und Stützpunkten bei internationalen
Organisationen in die Zentrale beordert wurden, tagt bis zum kommenden
Donnerstag. Im Mittelpunkt steht die Ausrichtung der deutschen Politik
in den Ressourcenstaaten. Um die wirtschaftliche Expansion zu
intensivieren, werden die deutschen Diplomaten etwa 900 Vertreter großer
und mittlerer Exportunternehmen beraten. Wie bereits in den
vergangenen Jahren bietet das Außenamtstreffens auch Mitarbeitern
anderer Behörden Gelegenheit zum Informationsabgleich und wird u.a.
vom Bundesnachrichtendienst (BND) genutzt. 2. Sept.
2004: In der heutigen Sitzung des UN-Sicherheitsrates wird Berlin
fortdauernden internationalen Druck auf den Sudan verlangen und eine
Aufstockung afrikanischer Truppen in Darfur unterstützen. Wie die
Staatsministerin im Auswärtigen Amt (AA), Kerstin Müller, mitteilt,
beurteilt die deutsche Regierung den Militäreinsatz der Afrikanischen
Union (AU) in ihrem Mitgliedsstaat Sudan ,,positiv". Berlin
unterstützt seit Jahren die Durchsetzung eines kontinentalen
Interventionismus innerhalb der AU, der darauf abzielt, Konflikte in
Afrika mit Hilfe afrikanischer Truppen zu steuern. Wie der deutsche
Verteidigungsminister zum wiederholten Male betont, ist zusätzlich
auch der Einsatz von Bundeswehreinheiten in Afrika geplant. Konkrete
Planungen für das Eingreifen europäischer Militärs im Sudan sind
inzwischen in Arbeit. 22.
Juni 2004: Bei seiner heute zu Ende gehenden Rundreise hat der
deutsche Außenminister die arabischen Golfstaaten zu einer
erweiterten Kriegsbeteiligung im Irak bewegen wollen. Die Vereinigten
Arabischen Emirate müssten eine ,,entscheidende Rolle bei der
Stabilisierung der Region" spielen, verlangte Fischer während
seines Aufenthalts in Abu Dhabi. Die Formulierung verweist auf das
deutsche Vorhaben, für die militärische Unterstellung der arabischen
Ressourcenstaaten Einheimische zu benutzen (,,Muslims to the
front") und dabei mit den Feudalregimen der Emirate noch enger zu
kooperieren. Ziel ist die Durchsetzung eines B-Plans beim kommenden
NATO-Gipfel, der über die geopolitische ,,Neuordnung" im Nahen,
Mittleren und Fernen Osten beschließen wird. 19.
Juni 2004: Mit Billigung des Verfassungsentwurfs am gestrigen Freitag
hat die Umsetzung des EU-Rüstungsprogramms begonnen. Es entspricht
den Vorgaben der kerneuropäischen Führungsmächte, die ihren
Verteilungskampf sowohl innerhalb wie außerhalb der Triade militärisch
schärfen. Für den äußeren Gegner hält die EU Eingreifkräfte nach
Art der Kongo-Kontingente bereit. Laut dem jetzt erzielten EU-Kompromiß
werden sie einer gemeinsamen Führung mit eigenem Hauptquartier
unterstehen, das vorläufig bei der NATO angesiedelt ist. Ziel sind
EU-eigene Kampftruppen. Damit setzt sich die von Dementis begleitete
Konkurrenz um hegemoniale Militärstrukturen zwischen den westlichen
Industriestaaten fort. 19.
Juni 2004 – Dokumente - Ein
,,Strategiepapier" der deutschen Bertelsmann Stiftung listet Maßnahmen
zur radikalen Militarisierung der Europäischen Union auf.
Vorgeschlagen werden militärische und paramilitärische Maßnahmen,
die der EU ,,Einsätze größeren Umfangs, größerer Reichweite und
stärkerer Kampfkraft für längere Zeiträume" ermöglichen
sollen. Die Strategie zielt auf die innere und äußere Formierung für
Kriege, die erklärtermaßen ,,präventiv" geführt werden sollen
(,,robust preventive missions, possibly anywhere in the world").
Für die beabsichtigten weltweiten Militäroperationen wird die
entschiedene Aufstockung des soldatischen Personals und die Erhöhung
der Rüstungsausgaben aller EU-Mitglieder gefordert. Den geplanten
Kriegen soll ein überstaatliches EU-Notstandsgremium
(,,EU-Sicherheitsrat") vorstehen, das der Kontrolle sämtlicher
Parlamente entzogen ist und sowohl militärische wie zivil-militärische
Maßnahmen in sämtlichen EU-Staaten anleitet. Die
Kriegsvorbereitungen und die Kriegführung soll von einer Dreiergruppe
(,,Trirektoire") aus deutschen, französischen und britischen
Militärs angeführt werden, denen die Truppen und Arsenale der
anderen Mitgliedstaaten unterzuordnen sind. 18.
Juni 2004: Nach einem Bombenanschlag auf deutsche Besatzungstruppen in
Afghanistan beschleunigt die Bundeswehr ihr militärisches Aufrüstungsprogramm
im Bezirk Kunduz. Ziel des dortigen Angriffs war ein Infanteriejeep,
der deutsche Hoheitszeichen trug und dem NATO-Kommando in der
Hauptstadt Kabul unterstand. Bei dem Gewaltakt kamen mehrere Menschen
ums Leben. Die rund 250 Bundeswehrsoldaten in Kunduz sollen Kriegsgeräte
der Rüstungsfirma EADS erproben, werden aber als ,,Helfer" für
den ,,zivilen Wiederaufbau" bezeichnet. Das deutsche
Pilotprogramm für die Ausstattung der Bodentruppe in Kunduz wird auf
vorläufig rund 4 Millionen Euro veranschlagt. 16.
Juni 2004: Die deutsche Rüstungsindustrie und die Bundesregierung
bereiten in einer konzertierten Aktion den kommenden EU-Gipfel vor.
Ziel ist die zügige Verabschiedung des Verfassungsentwurfs, der eine
zentrale Behörde für Entwicklung und Ankauf von Kriegswaffen
vorsieht (,,Verteidigungsagentur´´). Über den Auftragsumfang, der
an die Rüstungsschmieden des deutsch-französischen Direktoriums
verteilt werden soll, versuchten sich Berlin und Paris am Wochenanfang
zu verständigen. 24 Stunden später starteten mehrere europäische
Waffenfirmen eine europaweite Öffentlichkeitskampagne, mit der bis
zum Ende der Europarats-Wahlen gewartet worden war. An führender
Stelle beteiligt ist der deutsch-französische Rüstungskonzern EADS.
In ganzseitigen Anzeigen fordert das Konsortium, die
,,Verteidigungsagentur´´ mit umfangreichen Geldmitteln auszustatten. 14.
Juni 2004: Die europäische Rüstungsindustrie will ihren Handel mit
Kriegsmaterial weiter steigern. Vorreiter der Expansion ist wiederum der
deutsch-französische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS. Das Rüstungskonsortium
verbessert seine Marktposition in den USA und kann dort auf Unterstützung
im Pentagon rechnen. Zugleich intensiviert der Konzern seine strategische
Kooperation mit der russischen Rüstungsindustrie. 13.
Juni 2004: Das Hochgeschwindigkeitsnetz der europäischen Bahnen soll für
Kriegstransporte der EU bereitgestellt werden. Die EU müsse außerdem
veranlassen, daß Schiffsraum jeder Art jederzeit beschlagnahmt werden
kann, weil er für weltweite Militäroperationen benötigt wird. Zugleich
sei eine entschiedene Aufstockung des soldatischen Personals und die Erhöhung
der Rüstungsausgaben sämtlicher EU-Mitglieder unabdingbar.
Eingeschlossen sind Arsenale ,,für nukleare, chemische und biologische´´
Kriegführung. Diese und weitere Maßnahmen zur radikalen Militarisierung
der EU listet ein aktuelles ,,Strategiepapier´´ der deutschen
Bertelsmann Stiftung auf. Kriegsvorbereitungen und Kriegsführung sollen
von einem ,,Trirektoire´´ aus deutschen, französischen und britischen
Militärs übernommen werden. 11.
Juni 2004: In Deutschland ist ein Forschungsreaktor mit atomwaffenfähigen
Uran in Betrieb gegangen. Berlin hat damit genügend Bombenuran zur Verfügung,
um eigene Atomwaffen zu bauen. Die technischen Voraussetzungen für die
Entwicklung eigener atomarer Waffensysteme sind ebenfalls bereits
vorhanden. Ihre Absicht, die Verfügungsgewalt über Atomwaffen zu
erlangen, haben deutsche Politiker und Militärs in letzter Zeit mehrfach
öffentlich bekundet. Deutschland hat sich vertraglich verpflichtet, auf
den Bau oder den Besitz von ABC-Waffen jeder Art zu verzichten. 10.
Juni 2004: Die deutsche Regierung hat den Export von Kriegsmaterial mit
Atomschlagkapazitäten zugesagt. Dies ist das Ergebnis von Absprachen des
Berliner Verteidigungsministers in Israel. Damit bricht die
Bundesregierung ein weiteres Mal Bestimmungen der Verfassung und ihre
eigenen Waffenausfuhrrichtlinien. Gleichzeitig wird im Vorfeld der
deutschen Regierung für eine Teilung Israels geworben, bei der rund
900.000 Israelis ,,umgesiedelt´´ werden sollen. 9. Juni
2004: Während seines USA-Aufenthalts ist dem Berliner Regierungschef erneut ein
ständiger deutscher Sitz im UN-Sicherheitsrat in Aussicht gestellt worden.
Damit rückt der formelle Beitritt Deutschlands zur Gruppe der Triaden-Großmächte
näher. Unklar bleibt, ob auch der frühere Feindstaat Japan einen erweiterten
UNO-Status erhält. Unter Ausschluß der Volksrepublik China, des bevölkerungsreichsten
Landes der Erde, versuchen die ehemaligen Alliierten mit Berlin und Tokio (,,G 8´´)
ihre weltweiten Einflußgebiete abzugrenzen. Im Mittelpunkt der Gespräche unter
Vorsitz des US-Präsidenten steht das weitere Vorgehen in den arabischen
Ressourcenstaaten und im besetzten Afghanistan. Die deutsche Irak- und
Afghanistan-Politik sei ,,zynisch´´ und ,,gefährlich´´, sagt der Osnabrücker
Rechtssoziologe Martin Bennhold in einem Interview mit dieser Redaktion. Anläßlich
der G-8-Verhandlungen über die Abgrenzung von Einflußgebieten im Mittleren
Osten und in Zentralasien sprach unsere Redaktion mit dem Rechtssoziologen an
der Universität Osnabrück, Professor Martin Bennhold. 8. Juni
2004: Die zunehmende Interventionsbereitschaft der deutschen Außenpolitik und
die staatliche Bündelung gemeinnütziger Organisationen zielt auf strategische
Ziele in Zentralasien. Dies zeigen Einzelheiten des ,,Aktionsplans", mit
dem die Bundesregierung deutsche Eingriffe in die inneren Angelegenheiten
fremder Staaten effektivieren will. Demnach verfügt Berlin über ein
entwicklungspolitisches Vereinsgeflecht, das nach militärischen und zivil-militärischen
Kriterien ausgerichtet wird. Zu den asiatischen Operationsschwerpunkten gehört
die Mongolei, deren ,,geopolitische 'Sandwich'-Lage zwischen Rußland und
China" (Auswärtiges Amt) in Berlin Begehrlichkeiten weckt. 6.
Juni 2004: Bei den Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag der alliierten
Invasion sollen in unmittelbarer Nähe der Berliner Staatsgäste keine
Veteranenuniformen getragen werden. Die Protokollvereinbarung
entspricht den Wünschen der anwesenden deutschen Militärs, denen
beim Zusammentreffen mit den einstigen Streitkräften der
Anti-Hitler-Koalition ,,Konfrontationen´´ erspart bleiben sollen.
Die Verbeugung vor der wiedergewonnenen deutschen Weltgeltung wird in
der französischen Öffentlichkeit teilweise als erniedrigend
empfunden. ,,Es ist, als ob de Gaulles Aufruf zum Widerstand ausgelöscht
werden soll´´, sagt die Pariser Germanistin Yvonne Bollmann in einem
Interview mit dieser Redaktion. Unmittelbar vor Beginn der
Befreiungsfeierlichkeiten hat der deutsche Verteidigungsminister in
Paris das Ende der ,,Zivilmacht´´ Europa verkündet und zu größeren
militärischen Anstrengungen aufgerufen. 5.
Juni 2004: Der staatlich finanzierte deutsche Auslandssender ,,Deutsche
Welle" schürt religiös-ethnische Konflikte in Nigeria. Dies
erklären übereinstimmend Kirchenvertreter und
Nichtregierungsorganisationen. Berlin behauptet, das Land gehöre
aufgrund seiner ,,ethnischen Gegensätze" zu den ,,politisch
instabilen Staaten" und bedürfe ,,vorausschauender Krisenprävention"
- eine bekannte Umschreibung kriegerischer Erwägungen der deutschen
Außenpolitik. 3. Juni
2004: Maßgebliche Fraktionen der deutschen Außenpolitik haben Eckpunkte eines
gemeinsamen Forderungskatalogs für die arabische Welt festgelegt. Zentrales
Element ist die vollständige Übernahme der Ressourcenkontrolle und die
definitive Verwaltung des Wirtschaftstransfers durch Beauftragte der westlichen
Industriestaaten (,,Modernisierung"). Bisher unterschiedliche Auffassungen
über die anzuwendenden Mittel bei der Erzwingung des Programms (,,Wider Middle
East") werden gegenwärtig in der Irak-Politik zusammengeführt. Regierung
wie Opposition unterstützen Gewaltmaßnahmen, die sie an die Bagdader
Administration delegieren und durch UNO-Beschlüsse befehligen wollen. Das
gemeinsame Programm modifiziert Taktiken der US-Besatzer und schlägt Washington
eine gleichberechtigte Partnerschaft in Strategiefragen vor. Die USA antworten
mit Angeboten für einen ständigen deutschen Sitz im UN-Sicherheitsrat. 30. Mai
2004: Der deutsche Kriegsschiffbau wird unter Führung von Thyssen-Krupp
konzentriert. Damit soll nicht nur die Aufrüstung der deutschen Marine
vorangetrieben, sondern auch der deutschen Rüstungsindustrie zu einer
dominierenden Position im europäischen Kriegsschiffsbau verholfen werden. 28. Mai
2004: Der Generalinspekteur der Bundeswehr hat zur ständigen militärischen
Einsatzbereitschaft aufgerufen. Die deutschen Soldaten müßten weltweit
abrufbar sein und bei ,,(s)chnelle(r) Verfügbarkeit ohne lange
Vorbereitungszeit für häufige langdauernde Einsätze" bereitstehen.
Wehrpflichtige Zivilisten sollten besser ,,erfasst" werden, um ihre Fähigkeiten
in diesen Kriegen zu nutzen, sagte General Schneiderhan. Sein militärischer
Aufruf erging kurz vor einem deutschen Parlamentsbeschluß, der die weitere
Besetzung des Kosovo verfügte. 26. Mai
2004: In Berlin mehren sich Stimmen für einen Militäreinsatz im Sudan und die
anschließende Teilung des Landes. Am heutigen Mittwoch wird der Bundestag über
die ,,internationale Verantwortung" für den afrikanischen Staat
debattieren, für den morgigen Donnerstag hat die Staatsministerin im Auswärtigen
Amt, Kerstin Müller, die im ,,Koordinierungsausschuss Humanitäre Hilfe"
zusammengefassten Organisationen zu einer Sondersitzung einberufen. Während ein
Friedensabkommen in dem Bürgerkriegsstaat offenbar unmittelbar bevorsteht,
kritisieren deutsche Medien den Sudan als ,,nationalstaatliches
Kunstgebilde" und rufen Erinnerungen an die Aufspaltung Jugoslawiens wach. 21.
Mai 2004: Die Bundesregierung hat die Gründung von 13 neuen Stabsstellen für weltweite Auslandseinsätze angeordnet. Die Stabsstellen werden in jedem der Berliner Ministerien eingerichtet und in einem ,,Koordinierungsgremium" unter Vorsitz des Auswärtigen Amtes zusammengeführt. Die interministerielle Leitungsgruppe hat den Auftrag, globale ,,Länder- bzw. Regionalstrategien" auszuarbeiten und an den geheim tagenden Bundessicherheitsrat weiterzuleiten. Ziel ist es, deutsche Interventionen frühzeitig in Gang zu setzen (,,early action"). Die Anordnung über die Einrichtung der Stabsstellen wurde den Berliner Ministerien Anfang April zugeleitet; in einer jetzt veröffentlichten Fassung gibt die Bundesregierung an, ihr ,,Aktionsplan" diene der ,,Krisenprävention". 20.
Mai 2004: Schwere Vorwürfe gegen Soldaten der Bundeswehr erhebt amnesty
international. Wie aus einem jüngst von amnesty veröffentlichten Bericht
hervorgeht, nehmen deutsche Soldaten im Kosovo und in Mazedonien sexuelle
Zwangsdienste von verschleppten Frauen in Anspruch, die zu Prostitution
gezwungen werden, darunter auch Minderjährige. Frauenhilfsorganisationen
kritisieren, dass sie mit ihrer Forderung nach konsequenter Verfolgung und
Sanktionierung der deutschen Nutznießer der Zwangsprostitution vom
Berliner Verteidigungsministerium ,,immer wieder abgespeist"
werden. Auch der ehemalige deutsche UN-Verwalter im Kosovo, Michael
Steiner, habe während seiner Amtszeit keine Verbesserung der Lage der
Frauen im Kosovo durchgesetzt. 19.
Mai 2004: Mit einer großen Übernahme in den USA gelingt dem deutschen
Siemens-Konzern der Sprung unter die drei weltgrößten Anbieter für
Wassergewinnung und -aufbereitung. Wasser gilt in zunehmendem Maße als
strategischer Rohstoff und in manchen Weltgegenden als möglicher
Kriegsgrund, der Wassersektor ist ein Schwerpunkt der deutschen
Entwicklungspolitik. Siemens hofft auf zukünftige Gewinne und bereitet
weitere Übernahmen in Europa, aber auch in Asien vor. 18.
Mai 2004: Infolge des Fiaskos der amerikanischen Außenpolitik im Irak
tritt Berlin als Mittler zwischen den USA und der arabischen Staatenwelt
auf. Nach Gesprächen mit der US-Beauftragten Rice über die anhaltenden
Gewalttätigkeiten in Israel und Palästina wird Bundeskanzler Schröder
morgen in London erwartet. Dort will er sich mit der britischen Regierung
über den Fortgang der Okkupation im Irak abstimmen. Schröder wirbt
intern für den Einsatz von Besatzungstruppen aus Pakistan oder Ägypten. 17.
Mai 2004: In einem parlamentarischen Beschlussantrag fordert die größte
deutsche Oppositionsfraktion den Anschluss der arabischen Staatenwelt an
ein globales Ordnungssystem unter Führung von USA und EU. Der Anschluss
habe wirtschaftlich, militärisch und politisch zu erfolgen, heißt es in
der Bundestagsdrucksache. Damit schließen CDU/CSU zu entsprechenden
Aktivitäten des Auswärtigen Amtes auf. Berlin realisiert seine
Hegemonialpläne (,,Wider Middle East") in direkter
Zusammenarbeit mit einem Sonderstab des UN-Generalsekretärs. 13.
Mai 2004: Gemeinsam mit den deutschen Streitkräften beteiligen sich
bewaffnete Polizeieinheiten der Bundesrepublik an der militärischen
Zernierung ziviler Großveranstaltungen im Ausland. So wird die im August
beginnende Olympiade zur Entsendung deutscher Spezialkräfte nach Athen
genutzt. Die Paramilitärs werden durch deutsche NATO-Soldaten verstärkt,
die an der luft- und seegestützten Überwachung der Sportveranstaltungen
beteiligt sind. Auch die Endrundenspiele der kommenden Fußballmeisterschaften
in Portugal kontrolliert das deutsche Militär. 4. Mai
2004: Die deutsche Außenpolitik erwägt die Zerschlagung des Sudan und die
Stationierung von Besatzungstruppen unter EU-Führung. Damit ergänzt Berlin
seine Afrika-Expansion, die den Kontinent vom Maghreb bis zum Kap auch militärisch
überzieht. Bei den Planungen arbeiten angebliche
Nicht-Regierungs-Organisationen und das Auswärtige Amt Hand in Hand. Die
deutschen Vorfeldapparate verlangen die Errichtung europäischer Protektorate,
in denen sie die Führung übernehmen. 25. April
2004: Das deutsch-französische Luft- und Raumfahrtunternehmen EADS hat bei der
Vergabe von lukrativen Rüstungsaufträgen die US-Konkurrenz erneut geschlagen.
Mit den Aufträgen der NATO, des Pentagon und der australischen Armee verbessert
das von Berlin und Paris gesteuerte Rüstungskonsortium seine Marktposition in
Bereichen, in denen US-Konzerne bislang eine starke Stellung einnehmen.
Gleichzeitig verstärkt EADS seine Bemühungen, die Kooperation mit
verschiedenen Institutionen in Russland auszubauen. 25. April
2004: In eine im
Jahr 2002 verübte tödliche Geiselnahme tschetschenischer Terroristen
sind deutsche Spionageorganisationen involviert. Dies hat die
Bundesregierung aufgrund eines Presseberichtes einräumen müssen.
Demnach konnten Vorbereitungen für die Aktion, bei der in einem
Moskauer Musicaltheater 130 Menschen starben, trotz vorausgehender
Warnungen russischer Behörden in Deutschland durchgeführt werden.
Die deutsche Polizei griff nicht ein. Prominente tschetschenische
Separatisten werden von deutschen Organisationen unterstützt und
pflegen mit maßgeblichen deutschen Außenpolitikern Kontakte. Ein
illegales ,,Vertretungsbüro der Tschetschenischen Republik von
Itschkeria" darf unbehindert in München residieren. Duldung und
Begünstigung der tschetschenischen Aktivitäten ermöglichen der
deutschen Regierung die verdeckte Einflussnahme im Kaukasus, wo
derzeit erbitterte Machtkämpfe zwischen der Russischen Föderation,
den USA und Deutschland bzw. der Europäischen Union stattfinden. 21. April
2004: Die Ankündigung eines britischen Referendums zur EU-Verfassung löst bei
deutschen Politikern Drohgebärden aus. Der Verfassungsentwurf wird in Großbritannien
mehrheitlich abgelehnt und wegen seiner überstaatlichen Anmaßungen scharf
kritisiert. Angesichts eines möglichen Votums gegen den Entwurf kündigen führende
Repräsentanten der deutschen Parteien London Konsequenzen an. Großbritannien müsse
die maßgeblich von Berlin erarbeitete Verfassung akzpetieren oder werde
entlassen. ,,Ein Nein zur Verfassung", so Klaus Hänsch (SPD), ,,bedeutet
den Austritt aus der EU." 17. April
2004: Der im Irak erschossene italienische Kombattant Quattrochi war Mitglied
einer internationalen Söldnerorganisation, in deren Führung ein deutscher
Staatsbürger arbeitet, ein Gründungsmitglied der Organisation. Mitglieder des
Söldnerrings (International Bodyguard and Security Services Association/IBSSA)
wurden u.a. im Kosovo eingesetzt und rühmen sich blutiger Auftragsarbeiten in
Afrika und Afghanistan. Nach eigenen Angaben ist die IBSSA für mehrere
westliche Regierungen tätig (u.a. für die US-Armee). In Deutschland darf der
Ring für seine völkerrechtswidrigen Aktivitäten unbehelligt werben.
15. April
2004: Berlin profiliert seine traditionellen Beziehungen zu den
baltischen Staaten und offeriert Militärkooperationen mit der
Bundeswehr. Eine entsprechende Vereinbarung über die bilaterale
,,militärpolitische und militärische Zusammenarbeit" wurde
Anfang April mit der estnischen Regierung geschlossen. Die
Vereinbarung ergänzt NATO-Verträge, in die beide Staaten eingebunden
sind, und parallelisiert deren Strukturen zugunsten Berlins. Damit
bestätigt Tallinn seine germanophile Westpolitik, die maßgeblich von
,,Baltendeutschen" geprägt worden ist. 14. April
2004: Berlin erwägt eine engere Zusammenarbeit mit den
brasilianischen Militär- und Rüstungseliten. Die Stiftung
Wissenschaft und Politik (SWP) verweist auf ,,Brasiliens Aufstieg von
einer diskreten Regional- zu einer kooperativen Führungsmacht",
die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung debattiert über den südamerikanischen
Staat als ,,Akteur und Provokateur in der internationalen
Politik". Brasilia treibt unterdessen ein mit deutscher Hilfe
entwickeltes Atomprogramm voran und gerät in Verdacht, Nuklearwaffen
herstellen zu wollen. 12. April
2004: Deutsche Regierungsstellen flankieren die illegale Okkupation
des Irak und setzen dabei auch geheime Mittel ein. Während das
offizielle Berlin leugnet, an Besatzungsmaßnahmen beteiligt zu sein,
arbeiten deutsche Militär- und Nachrichtendienste an der
Unterminierung des irakischen Widerstands. Dies beweisen die jetzt
bekannt gewordenen Zuträgerdienste der deutschen Auslandsspionage
(BND) im Vorfeld des Überfalls auf Bagdad. Bei der langfristigen
Kolonisierung der arabischen Welt helfen ehemalige deutsche
Kommunisten, die heute im Planungsstab des Auswärtigen Amtes tätig
sind. 11. April
2004: Das deutsche Militär und Regierungsberater sondieren Möglichkeiten
für den Zugriff Berlins auf Atomwaffen. Eine wichtige Rolle in den
Strategieplanungen spielt der Vorschlag, im Rahmen der EU-Militärpolitik
auch die Nuklearstreitkräfte Großbritanniens und Frankreichs zu ,,vergemeinschaften".
Die Bundesregierung soll, so fordern Regierungsberater, möglichst
schnell eine Konzeption vorzulegen, wie die noch bestehenden Widerstände
gegen eine ,,Nuklearmacht Europa" zu überwinden sind. 8. April
2004: Die Auslandstätigkeit deutscher
,,Nichtregierungsorganisationen" (NGO) wird mit dem deutschen
Militär eng abgestimmt. Während die bewaffneten
Bundeswehrkontingente als Besatzer in überfallenen Staaten auftreten,
dienen die ,,humanitären" Hilfsdienste der ,,Sicherung des
Truppenumfelds". Die besonders in Afghanistan erprobte
,,zivil-militärische" Kooperation soll als Modell für die künftige
deutsche Entwicklungshilfepolitik dienen, empfiehlt eine Studie des
zuständigen Ministerimus. 7. April
2004: Der Berliner Anspruch auf die weitgehende Besatzungskontrolle über
Afghanistan führt zu Reibungen mit der dort installierten Regierung.
Diese beklagt die Rolle der internationalen Hilfsorganisationen (NGOs),
die die Autorität der Zentralregierung untergraben. Gleichzeitig
belegt ein Bericht des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik,
dass die in Afghanistan tätigen zivilen deutschen Organisation von
der Bundeswehr angeleitet werden und ihr direkt zuarbeiten. 6. April
2004: Berlin setzt die Vorbereitungen für Bundeswehr-Einsätze im
Landesinneren fort. Strittig ist noch, ob dazu das deutsche
Grundgesetz geändert werden soll. CDU und CSU wollen den Streitkräften
im Inland durch eine Verfassungsänderung faktisch freie Hand geben,
die Regierung setzt dagegen auf eine Verstärkung der so genannten
,,zivil-militärischen Zusammenarbeit". Die Planungen ermöglichen
es, Organisationen wie Feuerwehr und Technisches Hilfswerk zur
direkten Unterstützung der Bundeswehr heranzuziehen. 4. April
2004: Die Bundesregierung hat weitere Details über den Umbau der
Bundeswehr zu einem Instrument der ,,präventiven Kriegführung"
bekannt gegeben. Durch personell und technisch aufgerüstete
Interventionstruppen soll das deutsche Militär in die Lage versetzt
werden, möglichst bald weltweit längere und ,,robuste"
Kampfeinsätze zu führen. Durch eine Verstärkung der ,,zivil-militärischen
Zusammenarbeit" werden zudem Organisationen wie Feuerwerk und
Technisches Hilfswerk zur direkten Unterstützung der Bundeswehr
herangezogen. Die nun veröffentlichten Entscheidungen zur
Mobilmachung des deutschen Militärs sollen in eine ,,Konzeption der
Bundeswehr" (KdB) münden, die dem Verteidigungsminister bereits
zur Billigung vorliegt. 3. April
2004: Mit der Berliner Afghanistan-Konferenz hat Deutschland seinen
Anspruch auf Führung am Hindukusch untermauert. US-Außenminister
Powell bestätigt die im Winter diskutierte deutsch-amerikanische
,,Arbeitsteilung", in deren Rahmen ,,Patenschaften" über
einzelne Beutestaaten verteilt werden. Berlin, dem die
,,Patenschaft" über Afghanistan zufällt, gelingt es in
zunehmendem Maße, die Truppen anderer Staaten für den Aufbau der
Protektoratsmacht in Dienst zu stellen. In Verbindung mit der Militärbesatzung
führt die Bundesregierung zahlreiche ,,Beiträge zum Wiederaufbau
Afghanistans" durch, die Deutschland einen dominierenden Einfluss
am Hindukusch sichern. 2. April
2004: Afghanistan ist ,,der Musterfall für die erfolgreiche
nachrichtendienstliche Außenpolitik" des deutschen
Auslandsgeheimdienstes BND. Dies erklärt der Geheimdienstexperte
Erich Schmidt-Eenboom im Gespräch mit dieser Redaktion. Der BND habe
nicht nur enge Kontakte in den Nahen und Mittleren Osten aufgebaut -
,,weit besser als die Amerikaner oder auch als europäische
Konkurrenten". In Afghanistan, so Schmidt-Eenboom, sind ihm vor
allem Verteidigungsminister Mohammed Fahim und Außenminister Abdullah
Abdullah verbunden: ,,Auf die Spitze getrieben kann man sagen, dass
die beiden führenden Minister der Regierung von Karsai mindestens
Einflussagenten, wenn nicht Agenten des Bundesnachrichtendienstes
sind. Das festigt natürlich die deutsche Rolle in Afghanistan." 29. März
2004: Die oppositionelle CDU orientiert auf eine aggressivere
Durchsetzung deutsch-europäischer Weltmachtambitionen gegen die USA.
Dies geht aus dem jüngst verabschiedeten ,,Europa-Manifest" der
Partei hervor. Die CDU, die der streckenweise scharf gegen die USA
gerichteten Strategie der Regierung bisher skeptisch gegenüber stand,
fordert nun die ,,Bündelung militärischer Fähigkeiten", um die
Europäische Union zur gleichberechtigten Konkurrenz der USA aufbauen
zu können. Gleichzeitig gewinnen aggressive Positionen an Gewicht,
die auf das deutsch-französische Machtkartell als den militärischen
,,Kern des Kerns" der EU setzen. 28. März
2004: Das kerneuropäische Machtkartell unter deutsch-französischer Führung
nutzt die Anschläge von Madrid, um alle Mitgliedstaaten der Europäischen
Union militärisch enger an sich zu binden. Eine von den Staats- und
Regierungschefs in Kraft gesetzte ,,Solidaritätsklausel"
verpflichtet die EU-Staaten, ihre militärischen Ressourcen in den
Dienst des vorgeblichen ,,Kampf gegen den Terrorismus" zu
stellen. 27. März
2004: Parlamentarische Staatssekretärin im deutschen
Entwicklungshilfeministerium Uschi Eid ist in einen zentralen
UN-Ausschuss ,,zu Fragen im Wasserbereich" berufen worden. Die
UN-Tätigkeit der Staatssekretärin ergänzt die Wasser-Aktivitäten
verschiedener Berliner Ministerien, die deutschen Unternehmen wichtige
Exportmöglichkeiten verschaffen. Wasser gilt in zunehmendem Maße als
strategischer Rohstoff und möglicher Kriegsgrund, Kontrolle über den
Wassersektor kann bedeutende Einflussmöglichkeiten verschaffen. 25. März
2004: Die antiserbischen Pogrome im Kosovo sind ,,im Grunde genommen
eine Konsequenz" des von der deutschen Regierung forcierten Überfalls
auf die Bundesrepublik Jugoslawien. Dies erklärt Heinz Loquai, vor
dem Beginn des Krieges am 24. März 1999 Balkan-Mitarbeiter der
deutschen OSZE-Vertretung in Wien, im Gespräch mit dieser Redaktion.
Der Brigadegeneral a.D. der deutschen Bundeswehr bezichtigt die
Berliner Regierung der Mitverantwortung für die weltweit zunehmende
Kriegspolitik. 21. März
2004: Bundeskanzler Schröder hat den deutschen Anspruch bekräftigt,
endlich als vollberechtigte Weltmacht anerkannt zu werden. Berlin
fordert zum wiederholten Male die Aufnahme unter die Großmächte im
UN-Sicherheitsrat, die mit besonderen Privilegien wie dem Vetorecht
ausgestattet sind. Um den deutschen Machtambitionen volle Geltung zu
verschaffen, will die Regierung alle gesellschaftlichen Ressourcen für
die ,,noch effizientere" militärische Durchsetzung der
weltweiten deutschen Interessen mobilisieren. 20. März
2004: Auf Drängen Berlins will die Europäische Union in Kürze das
Waffenembargo gegen die Volksrepublik China aufheben und die militärische
Kooperation mit dem Land ausbauen. Französische Seestreitkräfte
haben bereits an einem gemeinsamen Manöver mit der chinesischen
Marine teilgenommen. Berlin versucht unterdessen, neben der
Volksrepublik auch Indien an sein informelles militärpolitisches Bündnissystem
zur Begrenzung der USA anzubinden. 16. März
2004: Die von Berlin betriebene ,,Neugestaltung der europäischen
Raumfahrt" soll die Weltraumaktivitäten von EU-Staaten vollständig
militärischen Zwecken unterordnen. Das ist die Quintessenz einer kürzlich
in Deutschland veröffentlichten Studie zur ,,Sicherheitspolitik"
der Europäischen Union für das All. Zum einen sei die kriegerische
Nutzung der zunächst zivilen Raumfahrt in der Vordergrund zu stellen,
fordern die Autoren. Darüber hinaus müsse jedoch auch die notwendige
Technologie für eigene Weltraum-Waffensysteme entwickelt werden. 14. März
2004: Der deutsch-französische Rüstungskonzern EADS strebt eine enge
Kooperation mit der Volksrepublik China an. Um die US-amerikanische
Konkurrenz auf dem asiatischen Rüstungsmarkt auszustechen, ist das
von Berlin und Paris gesteuerte Rüstungskonsortium zu einem
weitgehenden Transfer militärischer Technologie nach China und in
andere asiatische Staaten bereit. 11. März
2004: Auf Druck der Berliner Regierung hat die Europäische
Kommission die Erfassung biometrischer Gesichtsmerkmale in
EU-Personaldokumenten beschlossen. Der deutsche Innenminister forciert
einen raschen Ausbau der Kontrolltechnologie und will die EU-Staaten
zur Speicherung weiterer Identifikationsdaten verpflichten.
Umfangreiche Anstrengungen seien notwendig, damit der europäische
Grenzverkehr ,,nicht unter Kontrolle ausländischer Interessen"
gerate, heißt es im deutschen Innenministerium unter Anspielung auf
die weit entwickelte US-Biometrie. 9. März
2004: Die deutsche Regierung entsendet Soldaten in den Kongo. Mehrere
Stabsoffiziere der Bundeswehr werden sich dort an der Ausbildung
einheimischer Truppen beteiligen, die in Rohstoffgebieten im Nordosten
des Landes rivalisierende Milizen niederkämpfen sollen. Das deutsche
Kampftraining benutzt einheimische Soldaten für die Kontrolle
innerafrikanischer Konflikte und erinnert an Herrschaftstechniken der
Kolonialzeit. Die erneute Ausweitung der Berliner Militärexpeditionen
folgt der taktischen Maxime, deutsche Auslandseinsätze im Schlepptau
verbündeter Armeen zu beginnen, um das eigene Gewaltprofil zu
kaschieren. 7. März
2004: Der Umbau
der deutschen Streitkräfte zu einem Instrument ,,präventiver Kriegführung"
wird von Forderungen führender deutscher Militärs nach politischer Rückendeckung
bei weltweiten Kampfeinsätzen begleitet. Einschränkungen des
internationalen Handlungsspielraums, die auf den entmenschlichten
NS-Krieg zurückgehen, müssten endgültig fallen. Auch kritische Äußerungen
von Pazifisten seien durch Gesetzesänderungen zu unterbinden. Die
Forderungen gelten einer Kriegführung, deren Fronteinsätze
brutalisiert und weitgehend regellos sein werden, räumt der neue
deutsche Heeresinspekteur ein. Wie Generalmajor Budde mitteilt, benötige
die Bundeswehr einen entmenschlichten Soldatentypus, der animalische
Energien freisetze. 6. März
2004: In einem
deutsch-französischen Strategiepapier werden konkrete Vorschläge für
den gemeinsamen Einsatz von Atomwaffen unterbreitet. Einsatzziele sind
,,an den EU-Raum grenzende Regionen", die ,,eine potentielle
Gefahr darstellen". Urheber des Papiers ist die offiziöse
,,Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik" (DGAP),
Mitverfasser das ,,Institut français des relations
internationales" (Ifri). Beide Seiten gehen davon aus, dass es
wegen der geplanten Militäroperationen (,,Stabilitätsexport" )
in Deutschland zu starken innenpolitischen Auseinandersetzungen kommen
werde. Das Papier schlägt vor, diese Widerstände taktisch zu
umgehen, um dennoch ,,alle Stufen der Eskalationsleiter
abzurufen": ,,bis hin zur Drohung eines Einsatzes nuklearer militärischer
Mittel." 1. März
2004: Nach jahrelangem Streit haben sich die EU und die USA über ihre
konkurrierenden Satellitensysteme verständigt. Beide Systeme
(,,Galileo" und ,,GPS") sollen künftig für NATO-Kriegseinsätze
verfügbar sein, das europäische System auch für eigenständige
Militäroperationen der EU. Kurz- und mittelfristig erweitert die
Einigung den militärpolitischen Handlungsspielraum der USA. Die
langfristigen Vorteile des erzielten Kompromisses verbuchen die europäischen
Verhandlungsführer, darunter Berlin. 28. Februar
2004: Bei seinem USA-Besuch hat der deutsche Bundeskanzler
Finanzleistungen in Höhe von mehreren Milliarden Euro zugesagt. Das
Geld soll den amerikanischen Militärhaushalt entlasten und wird für
die Bezuschussung des Irak-Krieges dringend benötigt. Weitere
deutsche Milliarden sind für die bevorstehende NATO-Expansion in den
Mittelmeerstaaten angesetzt. Bedingung der deutschen Zahlungen ist die
umgehende Teilhabe an Wirtschaftsgeschäften im irakischen Kampfgebiet
und in den angrenzenden Ländern. Ohne den Weg über Washington zu
gehen, bietet Berlin den Nahost-Eliten zugleich Sonderbeziehungen an.
Die Offerte führt auch in das nahöstliche Terrormilieu und wird von
der Friedrich-Ebert-Stiftung vorgetragen. 24. Februar
2004: Konflikte zwischen ,,ethnischen Bevölkerungsgruppen"
dienen dem Führungsstab der Marine als Ausgangspunkt für die
konkrete Planung von kriegerischen Invasionen in fremde Staaten. Das
neue Einsatzszenario der deutschen Militärs sieht vor, die
betreffenden Länder mit einer EU-Kriegsarmada anzugreifen und von bis
zu 50.000 Soldaten besetzen zu lassen. Die beabsichtigten Operationen
wurden im Führungsbunker des deutschen Flottenkommandos einer Gruppe
ausgewählter Journalisten und Politiker präsentiert. 22. Februar
2004: Die Europäische Union soll auch im Weltraum die Konkurrenz mit
den USA aufnehmen. Das ist die Quintessenz einer unter maßgeblicher
deutscher Beteiligung entstandenen Studie zur Zukunft der europäischen
Raumfahrt. Auf dem Mond müsse ,,eine Kolonie nicht unter dem
US-Sternenbanner, sondern unter der Flagge der Europäer´´ errichtet
werden, heißt es. Durch Entwicklung einer eigenständigen
,,zivilmilitärischen Raumfahrtpolitik´´ könne das militärische
US-Monopol im Weltraum gebrochen und auch das All für die
deutsch-europäischen Weltmachtambitionen verfügbar gemacht werden. 10. Februar
2004: Eine grundlegende Neuordnung des Nahen und Mittleren Ostens mit
Hilfe des NATO-Militärbündnisses fordert der deutsche Außenminister.
EU und USA müssten ihre Pläne für die arabischsprachigen Staaten
(,,Modernisierung und Stabilisierung des Nahen und Mittleren
Ostens") gemeinsam verwirklichen, erklärte Fischer bei der Münchner
,,Sicherheitskonferenz". In einem Hintergrundpapier eines
einflussreichen Berliner think tanks heißt es dazu, es gelte die
,,unterschiedliche politische Ressourcenausstattung zur Erreichung
gemeinsamer Ziele zu nutzen"; andernfalls könnten die Staaten
der Region die Europäische Union und die Vereinigten Staaten auch
weiterhin gegeneinander ausspielen.
7. Februar 2004: Die deutsche Regierung hat die Entsendung von Bundeswehrsoldaten nach Äthiopien beschlossen. Wie das Verteidigungsministerium bestätigt, werden deutsche ,,Militärbeobachter" an einer UNO-Mission in dem ostafrikanischen Land teilnehmen. Der Einsatz erfolgt ohne Parlamentsbeschluss, ein weiterer Einsatz im Sudan ist im Gespräch. Der deutsche Kanzler hatte im Januar eine Intensivierung der deutschen Afrika-Politik angekündigt, der Verteidigungsminister plädiert dafür, ,,Landesverteidigung wirklich neu (zu) definieren" und dabei Afrika einzubeziehen. 6. Februar
2004: Bei dem heute beginnenden Rüstungstreffen in München
(,,Sicherheitskonferenz") werden sämtliche Verteidigungsminister
der NATO anwesend sein und Vorabsprachen über eine neue Runde der Bündnis-Expansion
treffen. Geplant sind zahlreiche Militäroperationen: Die
Unterstellung der nordafrikanischen Maghreb-Staaten, eine
Truppenmassierung in der Türkei und im östlichen Mittelmeer, die
weitere Umzingelung Syriens, Entlastungsaktionen für die
Besatzungstruppen im Irak und in Afghanistan sowie Aktivitäten im
Kaukasus. Um in München die deutschen Kaukasus-Interessen
einzubringen, hat Berlin im Vorfeld versucht, als ,,ehrlicher
Makler" für Tschetschenien aufzutreten. Die deutsche
Geheimdiplomatie soll auch den kommenden Russlandbesuch des deutschen
Außenministers aufwerten. 2. Februar
2004: Der deutsch-französische Rüstungskonzern EADS hat sich im
Wettbewerb um einen milliardenschweren britischen Rüstungsauftrag
gegen seinen US-Konkurrenten Boeing durchgesetzt. London, das als mögliches
Hindernis deutschen Dominanzstrebens gilt, verstärkt damit seine ökonomische
und militärische Anbindung an Berlin und Paris. 30. Januar
2004: In Vorbereitung auf die kommende ,,Sicherheitskonferenz" in
München (6.2.-7.2.) wird der Plan einer umfassenden Militarisierung
der Mittelmeerstaaten ventiliert. Vorgespräche führten deutsche
NATO-Repräsentanten mit ihren US-Kollegen in dieser Woche in Mons und
in Brüssel. Die Planungen sehen vor, westliche Truppenkontingente
entlang der Linie Ankara-Kairo zu massieren und auch die Maghreb-Länder
der NATO zu unterstellen. Auf diese Weise könnte ein
,,Krisenbogen" von ,,Marokko bis nach Pakistan" geschlossen
werden, heißt es in PR-Berichten, die Teile der NATO in der deutschen
Presse streuen. Die in München erwarteten NATO-Minister werden
bereits Anfang Februar Eckpunkte diskutieren. 28. Januar
2004: Der von Berlin forcierte Aufbau einer eigenständigen EU-Rüstungsbasis
wird durch interne Differenzen behindert. Der deutsche Rüstungskonzern
Diehl, ein Profiteur der NS-Zeit, wendet sich gegen den
Zusammenschluss mit europäischen Konkurrenten und kooperiert mit der
US-Rüstungsindustrie. Diehl hatte zunächst besonders vehement
verlangt, die Lenkwaffenproduktion müsse unter deutscher Führung
bleiben. Der Konflikt spiegelt unterschiedliche Tendenzen der
deutschen Außenpolitik. 26. Januar
2004: Der erste Großauftrag für die Ausstattung der bulgarischen
Armee nach NATO-Normen ist an DaimlerChrysler vergeben worden. Mit dem
millionenschweren Geschäft verfestigt sich der deutsche Einfluss auf
Sofia auch im militärischen Bereich und ergänzt die starke Stellung,
die Berlin in politischen und wirtschaftlichen Fragen bereits
einnimmt. 25. Januar
2004: Die Versuche der Europäischen Union, das unter deutscher Führung
stehende Satellitennavigationssystem Galileo als Konkurrenz zum
US-Navigationssystem Global Positioning System (GPS) auszubauen, stoßen
auf entschiedenen Widerstand der USA. Washington versucht insbesondere
die militärische Nutzung des Systems zu verhindern, die vor allem von
deutscher Seite gefordert wird. Berlin propagiert dagegen eine
,,Weltgemeinschaft", die ,,ohne die USA ihr technisches,
finanzielles und politisches Kapital" in der Raumfahrt
zusammenlegen soll; das europäische Galileo-Programm dient als
Sprungbrett für sie. 18. Januar
2004: Mit umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen und unter Teilnahme
ausländischer Hilfskräfte bereiten sich die deutschen Behörden auf
eine prominente Militärkonferenz in München vor. Zu dem Treffen, das
Anfang Februar stattfindet, werden die NATO-Verteidigungsminister
sowie militärische Repräsentanten und Rüstungslobbyisten aus 30
Staaten anreisen. Ziel der Veranstaltung ist die öffentliche Bestätigung
von finanziellen und geostrategischen Absprachen über ,,die zukünftige
Aufgabenverteilung zwischen den Europäern und den USA".
Zahlreiche Organisationen, darunter die katholische Bewegung ,,Pax
Christi", protestieren gegen die militärpolitische
Zusammenkunft, die von der deutschen Bundesregierung co-finanziert
wird. 17. Januar
2004: Ein hochrangiger Sozialdemokrat verlangt die Erhöhung der Militärausgaben
und die weitere Absenkung ziviler Standards innerhalb der EU. Statt
Nahrungsmittel zu subventionieren, sollte Europa in Waffen
investieren, heißt es in einem Interview mit dem Leiter des Referats
,,Internationale Politikanalyse" der Friedrich-Ebert-Stiftung
(FES). Auf diese Weise, so der FES-Referatsleiter Dauderstädt, könnten
der Rüstungsindustrie 46 Milliarden Euro zugute kommen, was Arbeitsplätze
schaffe und ,,zu mehr sozialer Gerechtigkeit" führe. Der
schrille SPD-Bellizismus kündet von weiteren Verteilungskämpfen
innerhalb der Europäischen Union, die trotz bürokratischer Widerstände
den deutschen Vorgaben folgt. 15. Januar
2004: Die deutsche Regierung will die Besatzungstruppen im Irak mit
einem Lazarett-Flugzeug der Bundeswehr stärken (,,humanitäre
Hilfe") und Besatzerstaaten wie Großbritannien oder Polen zu
Hilfe kommen. Wie ein Sprecher der Berliner Regierung mitteilt, werde
sich Deutschland dem Ersuchen einer ,,legitimierten irakischen
Regierung" ,,nicht verweigern". Zuvor hatten die USA angekündigt,
unterstützungswillige Staaten nicht länger von der Vergabe
irakischer Wirtschaftsaufträge auszuschließen. Das Geschäft auf
Gegenseitigkeit soll unter anderem über die NATO abgewickelt werden. 12. Januar
2004: Ein prominenter deutscher Politikwissenschaftler, der als
Berater für die deutsche Regierung tätig ist, fordert von Berlin und
der EU ein Bekenntnis zu ,,kriegerische(r) Selbstbehauptung".
Damit soll der Wirkungskreis der USA ,,begrenzt und eingeschränkt"
werden. Die EU-Mitgliedsstaaten sollten eine ,,Selbstverpflichtung zu
friedenserhaltenden und friedenserzwingenden Maßnahmen" abgeben,
fordert der Politikberater, ein anerkannter Theoretiker der ,,Neuen
Kriege". 8. Januar
2004: Die deutsche Außenpolitik will die gescheiterte EU-Verfassung
binnen Jahresfrist durchsetzen und droht den Mitgliedsstaaten im
Weigerungsfalle mit Konsequenzen. Laut Bundeskanzler Gerhard Schröder
kommen ,,Konzessionen bei der Stimmengewichtung im Rat (...) nicht in
Frage". Nötigenfalls werde ein ,,Kerneuropa" auf der Achse
Berlin-Paris entstehen, warnt der deutsche Regierungschef.
Entsprechende Vorbereitungen setzt die Berliner Außenpolitik
lautstark in Szene und weiß sich der Unterstützung mehrerer
Klientelstaaten sicher. Dabei geht es um die Verteilung von
Milliarden-Subventionen aus Mitteln der EU. 6. Januar
2004: Die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Müller (Die Grünen),
plädiert für die Entsendung deutscher Soldaten in den Sudan. Dort kämpft
die Sudan People's Liberation Army (SPLA) seit 20 Jahren für einen
unabhängigen Südsudan; die Friedensverhandlungen zwischen der
Regierung in Khartoum und der SPLA gelten inzwischen als weit
fortgeschritten. Nach dem Ende des Krieges wird mit einem Erdölboom
und umfangreichen Investitionen in die Infrastruktur gerechnet,
deutsche Unternehmen wollen davon profitieren. 5. Januar
2004: Die deutsche Außenpolitik verfolgt gegenüber der Volksrepublik
China das Ziel, das Land mit Hilfe der EU an Berlins informelles Bündnissystem
zur Begrenzung der Supermacht USA anzubinden. Da die derzeitige
chinesische Regierung als unzuverlässig und unberechenbar gilt, setzt
Berlin zugleich in Kooperation mit den USA den zu selbstbewussten
potentiellen Rivalen innen- und außenpolitisch unter Druck. Deutsche
Militärs und Regierungsberater ziehen dabei zunehmend den Einsatz
militärischer Mittel in der Region in Betracht, da ökonomische und
politische Instrumente nicht ausreichten, ,,real European influence
in the Asia-Pacific region" zu erreichen. 16.
Dezember: Durch eine ,,Weisung für die Weiterentwicklung der
Bundeswehr" soll das deutsche Militär in die Lage versetzt
werden, innerhalb weniger Jahre weltweit längere und ,,robuste"
Kampfeinsätze zu führen (,,Klasse statt Masse!"). Damit wird
der Umbau der Bundeswehr zu einem Instrument der ,,präventiven Kriegführung"
vorangetrieben und den Grundsätzen der ,,Verteidigungspolitischen
Richtlinien" Genüge getan. 13.
Dezember: Nach der Zustimmung der EU-Staaten zur ersten
Sicherheitsstrategie der Europäischen Union, in der ausdrücklich die
Möglichkeit zur Führung von Angriffskriegen (,,Präventivkriegen")
vorgesehen ist, fordert Berlin konkrete Unterstützung für die
eigenen Weltmachtambitionen ein. Berliner Regierungsberater verlangen
insbesondere die Unterwerfung der EU-Staaten unter die Planungen für
ein militärisches ,,Kerneuropa" und nehmen bereits
Einsatzgebiete für die eigenständige EU-Kriegsmacht ins Visier. 9. Dezember:
Berlin, das erst vor kurzem die Entsendung weiterer Besatzungstruppen
nach Afghanistan beschlossen hat, bereitet die dauerhafte militärische
Besatzung des Landes vor. Ein Protektorat unter NATO-Herrschaft soll
Afghanistan zu einem ,,funktionsfähigen Staat" machen, der nach
den Vorstellungen deutscher Regierungsberater als ,,Staat der
Gemeinschaften" zu organisieren ist. Entsprechende Überlegungen
veröffentlichte das Centrum für angewandte Politikforschung (CAP) am
30. Oktober 2003. 8.
Dezember: Der ehemalige britische Botschafter in der Bundesrepublik,
Sir Oliver Wright, beschuldigt Berlin und Paris, eine ,,deutsch-französische
Doppelhegemonie in Europa" errichtet zu haben. Dies sei eine
Entwicklung, die Großbritannien isoliere und deren Ausgang
,,unheilvoll" werden könne, schreibt der konservative Londoner
Diplomat. 8. Dezember
2003: Die SPD, die
größere der beiden deutschen Regierungsparteien, hat Richtlinien
verabschiedet, die eine weitere Militarisierung der Berliner Außenpolitik
fordern. Die Bundeswehr soll ,,maximale Einsatzfähigkeit" für
weltweite Kriegseinsätze erlangen, die Europäische Union um das
deutsch-französische Machtkartell ,,handlungsfähiger" werden,
um eine ,,gleichgewichtige, ebenbürtige Partnerschaft" mit den
USA zu erreichen. 6. Dezember
2003: Die von den EU-Außenministern in Neapel beschlossene militärische
,,Beistandsklausel" führt zu Diskussionen über einen innereuropäischen
Kriegsfall. Der Sicherheitssprecher der österreichischen Grünen erklärt,
sein Land müsse zum Durchmarschgebiet deutscher und französischer
Truppen werden, sollten österreichische Nachbarstaaten einem Angriff
durch Dritte ausgesetzt sein. Österreich habe seine Neutralität
aufzugeben und damit dem Ende ,,der amerikanischenVorherrschaft in
Europa" zu entsprechen, heißt es in Wien. 3. Dezember
2003: Wie das deutsche Innenministerium mitteilt, wird die ,,Einführung
biometrischer Merkmale in Pässen für Unionsbürger"
vorbereitet. Erst kürzlich hatten die Innen- und Justizminister der
EuropäischenUnion unter dem Druck der Berliner Regierung die Aufnahme
von Gesichtsdaten und Fingerabdrücken in Visa und Aufenthaltstitel für
Drittstaatsangehörige beschlossen. Die Durchsetzung dieser Maßnahmen
zur Erfassung der Bevölkerung sei zwar ,,etwas mühsam", so der
deutsche Innenminister: ,,Aber Deutschland ist da das Land, das am
meisten nach vorwärts drängt." 2. Dezember
2003: Bei ihrem gestrigen Treffen haben die Verteidigungsminister der
NATO Vorsorge für die zukünftige Militärkooperation mit der EU
getroffen. Angebliche Meinungsunterschiede, die zwischen den USA und
dem europäischen Militärkartell in grundsätzlichen Fragen
aufgebrochen sein sollen, betreffen taktische Erwägungen und
Organisationsstrukturen. Die strategische Ausrichtung der Militärpartner,
insbesondere die Rüstungskooperation zwischen Berlin und Washington,
unterliegt unveränderten Zielsetzungen und Gemeinsankeiten. Dabei
wird auf Drittstaaten, so auf das neutrale Österreich, keine Rücksicht
genommen. 19. November
2003: Der deutsch-französische Rüstungskonzern EADS arbeitet mit
wechselnden Bündnissen, um seiner führenden Rolle beim Aufbau einer
eigenständigen Rüstungsbasis für die deutsch-europäischen
Weltmachtambitionen gerecht zu werden. Zum einen will EADS sich Teile
von rivalisierenden europäischen Rüstungsunternehmen einverleiben,
um seine Position gegenüber dem US-Rüstungskonzern Boeing zu stärken;
zum anderen kooperiert der Konzern bei der Aufrüstung der Bundeswehr
für künftige weltweite Kriegseinsätze mit dem US-Luftfahrt- und Rüstungskonzern
Northrop Grumman. 1. Dezember
2003: Das für Auslandseinsätze bereitstehende
Truppenkontingent der deutschen Armee wird verdreifacht. Dies gab der
Berliner Verteidigungsminister am Wochenende bekannt. Die Bekanntgabe
folgt einem Regierungsbeschluss, wonach künftige deutsche Armeeeinsätze
im Ausland auch ohne Parlamentsbeteiligung begonnen werden können.
Beide Entscheidungen verbessern die Einsatzbereitschaft der deutschen
Militärs, die durch die jüngsten EU-Beschlüsse von Neapel in eine führende
europäische Position gelangen. 26. November
2003: In der Verfassung der Europäischen Union, die Berlin gegen alle
Widerstände durchzusetzen versucht - unter Drohung von Konsequenzen
bis hin zur Spaltung der EU - , soll eine weit gehende Entmachtung der
Mehrzahl der Mitgliedsstaaten festgeschrieben werden. Sollten sich
Berlin und Paris mit ihren Vorstellungen durchsetzen, wären im militärpolitischen
Bereich die Kompetenzen der Einzelstaaten faktisch aufgehoben. Die
nationalen Verteidigungsarsenale würden der Verfügungsgewalt des
deutsch-französischen Machtkartells zufallen, das als Zentrum eines
exklusiven militärischen ,,Kerneuropa" über die Kriegführung
der EU bestimmen könnte. 21. November
2003: In einer vielbeachteten Grundsatzrede hat der deutsche Außenminister
der US-Administration ,,gleichberechtigte" Partnerschaft
offeriert, um den Kampf für eine ,,neue Weltordnung" ,,gemeinsam
(zu) gewinnen". Die ,,neue Weltordnung" werde internationale
,,Ordnungsverluste" beseitigen und eine ,,positive
Globalisierung" durchsetzen. Dabei müssten sämtliche Mittel zur
Anwendung kommen, so dass kriegerische Gewaltaktionen ausdrücklich
nicht ausgeschlossen sind. Vielmehr gelte es, die ,,militärischen Fähigkeiten
Europas" ,,zu stärken". Deswegen, so der Außenminister, hätten
Deutschland und die EU ihrer Politik einen ,,erweiterten
Sicherheitsbegriff" zugrunde zu legen. Der europäischen Aufrüstung
müsse quantitativ wie qualitativ Priorität eingräumt werden. Die
Ankündigung kriegerischer Handlungsoptionen durchzieht die gesamte
Grundsatzrede. 20. November
2003: Berlin festigt seine Einflussnahme im okkupierten Afghanistan.
Im Dezember soll eine deutsche diplomatische Vertretung im
westafghanischen Herat eröffnet werden, eine weitere ist für das
nordafghanische Kundus vorgesehen, wo inzwischen Bundeswehr-Einheiten
stationiert sind. Um den Widerstand des Gouverneurs von Herat gegen
die ausländische Vorherrschaft zu brechen, kooperiert die deutsche Außenpolitik
mit der US-Armee. 19. November
2003: Der deutsch-französische Rüstungskonzern EADS arbeitet mit
wechselnden Bündnissen, um seiner führenden Rolle beim Aufbau einer
eigenständigen Rüstungsbasis für die deutsch-europäischen
Weltmachtambitionen gerecht zu werden. Zum einen will EADS sich Teile
von rivalisierenden europäischen Rüstungsunternehmen einverleiben,
um seine Position gegenüber dem US-Rüstungskonzern Boeing zu stärken;
zum anderen kooperiert der Konzern bei der Aufrüstung der Bundeswehr
für künftige weltweite Kriegseinsätze mit dem US-Luftfahrt- und Rüstungskonzern
Northrop Grumman. 16. November
2003: Teile der deutschen Parlamentsopposition befürworten die
Einrichtung eines eigenen EU-Hauptquartiers für Militäreinsätze,
obwohl Washington und London heftig widersprechen. Autonome
Kampfstrukturen fordert auch die rot-grüne Bundesregierung, aber gibt
sich flexibel. Gleichzeitig versucht Berlin, seine anteilige
Finanzierung von EU-Militäraktionen auf die anderen Mitgliedsstaaten
abzuwälzen. In den Kernbereichen der fortschreitenden Militarisierung
der deutschen Außenpolitik arbeiten Regierung und Opposition weiter
eng zusammen. 16. November
2003: Das US - Aussenministerium stellt die jüngsten europäisch -
iranischen Vereinbarungen über die nukleare Entwaffnung Teherans in
Frage und behält sich ,,Sanktionen´´ vor. Damit sind eine
internationale Ausweitung der US - Handelsblockade sowie die
bedarfsweise Bombardierung des Landes gemeint. Die US - Ankündigungen
richten sich unmittelbar gegen den florierenden deutschen
Wirtschaftseinfluss im Mittleren Osten und ergänzen die
transatlantischen Konflikte um Spannungen mit Tel Aviv. 9. November
2003: Nach antisemitischen Äußerungen eines deutschen
Parlamentsmitglieds und lebhafter Zustimmung aus Kreisen des deutschen
Militärs wird in den Berliner Parteien über die ,,demokratische
Zuverlässigkeit" der Bundeswehr gestritten. Trotz fraktioneller
Widersprüche versichern sich die Beteiligten wechselseitig, dass die
deutschen Streitkräfte seit ihrer Neuformierung (1956)
,,gefestigt" und gegen völkerverhetzende Aktivitäten immun
seien. ,,Beklagenswerte Ausnahmen" schreibt das Berliner
Verteidigungsministerium ,,Einzeltätern" und ,,verwirrten
Soldaten" zu. Die offiziellen Behauptungen stehen in krassem
Widerspruch zu den tatsächlichen Entwicklungen. 7. November
2003: Mit Massenbriefsendungen ruft der ,,Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge"
(VDK) in einer Werbekampagne dazu auf, die gefallenen deutschen
Soldaten zweier Weltkriege ,,würdig" zu ehren. Nach Angaben der
Organisation wurden in den vergangenen zehn Jahren ,,fast
400.000" deutsche Leichen aus Friedhöfen der ehemals okkupierten
Staaten entfernt und in repräsentative Kultstätten umgebettet. Für
diese ehrenvolle Behandlung der militärischen Aggressoren zahlt die
Bundesregierung Millionenbeträge. Forderungen der ausländischen
Opfer weist Berlin mit der Behauptung zurück, dafür fehle es an
Geld. Gegen die VDK-Kampagne, die auf den kommenden
,,Volkstrauertag" einstimmt, werden im In- und Ausland Proteste
laut. 28. Oktober.
2003: Der deutsch-französische Rüstungskonzern EADS, der beim Aufbau
einer eigenständigen Rüstungsbasis für die deutsch-europäischen
Weltmachtambitionen eine führende Rolle spielt, setzt seine Bemühungen
fort, mit den US-Konkurrenten Russland und China zu einer
strategischen Kooperation zu gelangen. Im Wettstreit mit den noch führenden
US-Rüstungsunternehmen verzeichnet EADS ausgerechnet in Großbritannien,
das als Verbündeter Washingtons gilt, weitere Erfolge und verstärkt
nun die Anstrengungen, auf dem lukrativen US-Rüstungsmarkt Fuß zu
fassen. 24.
Oktober 2003: Die von Iran angekündigte Auslieferung weiterer Souveränitätsrechte
an die Triade durch Unterzeichnung eines ,,Zusatzprotokolls" zum
Atomwaffensperrvertrag wird in Berlin und in den übrigen westlichen
Hauptstädten als beispielhaft gewürdigt. Weltweite Hegemonie ließe
sich nur durch koordinierte Gewaltstrategien und die Abgrenzung
regionaler Interessenssphären erreichen, heißt es in Anspielung auf
die Meinungsunterschiede der Triade beim Überfall auf Bagdad. Der
Einstieg in die faktische Entwaffung des Iran, dessen Regierung sich
zuletzt in einer aussichtslosen Lage befand, öffnet den Weltmächten
ein weiteres Tor auf ihrem Weg in den Fernen Osten. 11. Oktober
2003: Der deutsche Verteidigungsminister schlägt vor, Entscheidungen
über Kriegseinsätze dem Gesamtparlament zu entziehen und damit ein
,,spezielleres Gremium" zu betrauen. Dieser taktische Vorstoß
wird im Bundestag skeptisch aufgenommen, aber beschleunigt die
Beschlussfassung über ein ,,Entsendegesetz" für das deutsche
Militär. Die Regelung soll möglichst bis zum Jahresende auf den Weg
gebracht werden. Sämtliche Fraktionen sind sich einig, dass
Gewaltoperationen jenseits der deutschen Grenzen ,,schneller" und
,,besser" in Auftrag gegeben werden müssten.
9. Oktober 2003: Deutsche diplomatische Kreise in der
syrischen Hauptstadt gehen davon aus, dass es sich bei dem jüngsten
israelischen Luftüberfall um eine US-Auftragsarbeit handelt, die
auch gegen Berliner Interessen gerichtet ist. Während das
offizielle Berlin den Luftüberfall ,,nicht akzeptabel" nennt,
wird im Auswärtigen Amt von einer gezielten Provokation gesprochen,
deren beabsichtigter Nebeneffekt die Einschüchterung der europäischen
US-Konkurrenten im Nahen und Mittleren Osten sei. 3. Oktober
2003: Die Konfrontation mit dem Iran, der unter konzentriertem Druck
der westlichen Triade steht, wird von den deutschen Konservativen nur
zögernd unterstützt. Ähnlich wie im Vorkriegs-Irak verfügt Berlin
auch im Iran über konkurrenzlose Wirtschaftsbeziehungen, die bei
einem Überfall auf Teheran an den militärischen Aggressor übergehen
würden. Mehrere EU-Staaten versuchen, die deutschen Sonderinteressen
zu zügeln, um an einem eventuellen US-Krieg gegen Iran ausgeglichen
zu profitieren. 28. Sept.
2003: Bei der Entwicklung des Satellitennavigationssystems
,,Galileo", das unter deutscher Führung steht, verschärft sich
die Konkurrenz mit den USA. Im Wettkampf mit der entsprechenden
US-Technik versuchen die ,,Galileo"-Betreiber, internationale
Kooperationspartner zu gewinnen, die den Aufbau des eigenständigen
EU-Satellitensystems mittragen. Es soll auch militärisch genutzt
werden. 25.
Sept. 2003: Die Bundesrepublik Deutschland verlangt einen ständigen
Sitz im UN-Sicherheitsrat. Damit lässt Berlin die jahrelangen
Schutzbehauptungen fallen, man wolle im wichtigsten Gremium der
Vereinten Nationen lediglich die EU vertreten sehen. Ohne auf dieses
Manöver näher einzugehen, erklärte der deutsche Kanzler in einer
Rede vor der 58. UN-Generalversammlung in New York, Deutschland sei
,,selbst bereit (...), Verantwortung zu übernehmen". Auch sei
eine ,,Reform und Erweiterung" des Sicherheitsrates
,,notwendig", erklärte Schröder. Mit der angestrebten
,,Reform" verfolgt Deutschland eine weitere Radikalisierung der
Weltmachtkonkurrenz. 20. Sept.
2003: Berlin baut seine weltweite militärische Präsenz weiter aus.
Die Deutsche Marine wird ab Oktober in der Meerenge zwischen Spanien
und Marokko operieren, dort den Schiffsverkehr überwachen und
US-amerikanische und britische Kriegsschiffe eskortieren. 8. Sept.
2003: Die Aufrüstung des deutschen Militärs für künftige weltweite
Kriegseinsätze beginnt immer konkretere Formen anzunehmen. Die
Verdoppelung des Kommando Spezialkräfte (KSK), einer militärischen
Sondereinheit der Bundeswehr, ist beschlossen; die Generäle der
deutschen Streitkräfte legen derweil Rüstungskataloge vor, die mit
begrenzten ,,Friedensmissionen" nicht mehr zu begründen sind,
sondern die weltweite ,,präventive Kriegführung" möglich
machen sollen. 5. Sept.
2003: Die deutsche Regierung beabsichtigt, die bisherigen Exportbeschränkungen
für Rüstungsgüter zu lockern. Die Erlaubnis für Waffenlieferungen
nach Saudi-Arabien soll bereits erteilt sein, die Genehmigung für
Panzer-Lieferungen an die Türkei wird vom Außenminister ins Gespräch
gebracht. 2. Sept.
2003: Die deutsche Regierung beteiligt sich an einer Initiative, mit
der die großen westlichen Staaten sich das Recht zusprechen wollen,
nach ihrem Belieben die internationalen Verkehrswege zu kontrollieren.
Dies ist nach geltendem internationalem Recht verboten. Geplant wird
nun, die entsprechenden Rechtsnormen zu ändern oder durch
,,kreative" Maßnahmen zu umgehen. 1. September
2003: Der deutsche Militärische Abschirmdienst (MAD), der laut Gesetz
im Ausland nicht tätig werden darf, betreibt im Zusammenhang mit den
Auslandseinsätzen der Bundeswehr seit Jahren ,,operative Aufklärung".
Diese bisher illegal betriebene Auslandsspionage der Bundeswehr soll
nun durch einen Gesetzentwurf der Regierung legalisiert werden, der
die MAD-Befugnisse auf das Ausland ausweitet. 29. August
2003: NS-Kriegsverbrecher, die der Wehrmacht, der Waffen-SS oder der
deutschen Polizei angehörten, genießen in Deutschland nach wie vor
Schutz vor ausländischen Strafverfolgungsbehörden. Während sich die
deutsche Justiz weltweite Strafverfolgungskompetenzen anmaßt, ist ein
,,Führererlass" vom Mai 1943, der ausländischen Mitgliedern der
genannten Organisationen die deutsche Staatsbürgerschaft verleiht,
von der deutschen Regierung bis heute nicht aufgehoben worden. Dies
ermöglicht es den deutschen Behörden, das Verbot, deutsche Staatsbürger
an fremde Staaten auszuliefern, auch auf von Nazideutschland eingebürgerte
NS-Verbrecher anzuwenden. 25. August:
Das deutsch-französische Unternehmen EADS, der weltweit zweitgrößte
Luft-, Raumfahrt- und Rüstungskonzern, hat die Moskauer
Luftfahrtschau MAKS genutzt, um durch den Abschluss konkreter Projekte
die Kooperation mit russischen Unternehmen auszubauen. Insbesondere in
der Raumfahrt wird dabei die militärische Zusammenarbeit
intensiviert, von der vor allem Deutschland profitiert: Mit russischer
Hilfe wird Berlin fünf Spionagesatelliten der Bundeswehr in die
Erdumlaufbahn bringen und einsatzbereit machen. 24. August
2003: Während die Bundesregierung entsprechende Absichten noch
dementiert, wird die Öffentlichkeit bereits auf einen möglichen
Einsatz der Bundeswehr im besetzten Irak vorbereitet. Berlin erwartet
als Gegenleistung für die militärische Unterstützung mehr Einfluß
auf die Besatzungspolitik im Irak und will die ,,Patenschaft´´ für
Afghanistan übertragen bekommen 22. August
2003: Der Direktor des Deutschen Instituts für Menschenrechte ist zum
Rücktritt gezwungen worden, weil er sich zu sehr für die Einhaltung
der Menschenrechte im Inland stark machte, statt wie gewünscht
Spielmaterial für die ,, ethisch´´ fundierte Berliner Außenpolitik
zu liefern. Im Lande tätige Menschenrechtsorganisationen äußern
unterdessen immer wieder scharfe Kritik an der forcierten Mißachtung
grundlegender Menschenrechte in Deutschland. 20. August
2003: Berlin setzt seine Doppelstrategie gegenüber dem Iran fort.
Einerseits fördert die Regierung nach Kräften die Expansion der
deutschen Wirtschaft im Land und baut darüber den eigenen Einfluss
aus. Gleichzeitig beteiligt sich Berlin am Aufbau der militärischen
Drohkulisse gegen den Iran: Die deutsche Marine wird künftig vor der
iranischen Küste operieren - in Koordination mit dem US-Militär. 19. August 2003: Das
deutsch-französische Unternehmen EADS, der weltweit zweitgrößte Luft-,
Raumfahrt- und Rüstungskonzern, beginnt wie angekündigt mit der Expansion auf
dem US-Rüstungsmarkt und drängt seinen Hauptkonkurrenten Boeing zurück.
Gleichzeitig baut der Konzern seine Kooperation mit russischen Unternehmen aus,
mit der insbesondere in der Raumfahrt die Unabhängigkeit der eigenen Position
gegenüber den Vereinigten Staaten gestärkt werden soll. 15. August
2003: Politisch zwischen Konservatismus und Rechtsextremismus
angesiedelte Kreise, die mit der grundsätzlichen Ausrichtung der
Berliner Außenpolitik übereinstimmen, sehen diese von zu vielen
innenpolitischen und diplomatischen Rücksichten bestimmt. Dagegen
gelte es, unter Rückgriff auf berüchtigte Konzepte wie
,,Geopolitik" und den ,,Großraum" nach dem ,,Gesetz der Stärke"
zu handeln, das über das Staatsleben herrsche, heißt es. Eine neue
Zeitschrift (,,Sezession") soll diese Strategie befördern, sie
findet Unterstützung von deutschen Militärs und außenpolitischen
Beratern. 12. August
2003: Die deutsche Regierung verstärkt ihre Bemühungen, der
deutschen Rüstungsindustrie zu einer dominierenden Position im europäischen
Kriegsschiffsbau zu verhelfen. Ein ,,Genehmigungsvorbehalt"
Berlins soll die ,,Neuordnung" der Branche in deutsch-französischer
Kooperation gewährleisten - mit der Düsseldorfer Thyssen-Krupp AG an
führender Stelle. 11. August
2003: Wie bereits in Afghanistan ist auch im besetzten Irak die dem
deutschen Innenministerium unterstehende paramilitärische
Elite-Grenzschutzgruppe 9 (GSG 9) aktiv. Nach ihrem Einsatz in
Afghanistan war bekannt geworden, dass sie auch in Geheimdienstaktivitäten
verwickelt ist. 9. August
2003: Die deutsche Regierung bereitet die Entsendung weiterer
Besatzungstruppen nach Afghanistan vor und wird dort stationierte
US-Einheiten entlasten. Die Militär-Kooperation folgt entsprechenden
Vereinbarungen, die der Berliner Außenminister bei einem kürzlichen
USA-Aufenthalt getroffen hat. Dem millionenschweren
Stationierungsvorhaben wird trotz ständig steigender
Haushaltsdefizite und erneut erhöhter Arbeitslosenquote in sämtlichen
bedeutenden Parlamentsparteien zugestimmt. 31. Juli
2003: Das deutsch-französische Unternehmen EADS, der weltweit zweitgrößte
Luft-, Raumfahrt- und Rüstungskonzern, hat durch gesteigerte Rüstungsgeschäfte
seine Auftragslage erheblich verbessert und erwartet wiederum Gewinne
in Milliardenhöhe. Die Mittel sollen für die Expansion auf dem US-Rüstungsmarkt
eingesetzt werden, wo EADS bisher nur schwach vertreten ist. 28. Juli
2003: Nahe Berlin soll in den Räumlichkeiten des deutschen ,,Einsatzführungskommandos"
ein Hauptquartier für weltweite Kriegseinsätze unter EU-Führung
eingerichtet werden. Der mögliche Standort gilt als Symbol des preußischen
Militarismus und des deutschen Aufstiegs zur europäischen Großmacht. 26. Juli
2003: Deutsche Spezialabteilungen für Psychologische Kriegführung
intensivieren ihre weltweite Propagandaarbeit und weiten das militärische
Radionetz aus. Der zentrale Steuerungsstab ist im Eifelort Mayen (Land
Rheinland-Pfalz) angesiedelt, ,,Einsatzredaktionen" befinden sich
im Kosovo, in Bosnien-Herzegowina und in Afghanistan. Der
Besatzer-Rundfunk (,,Stimme der Freiheit") wirbt mit westlichen
Wertehülsen (,,Zivilgesellschaft") und wird dabei von der
,,Deutschen Welle" unterstützt, einem staatlichen Auslandssender
mit langer Geschichte. Personelle und inhaltliche Kontinuitäten der
deutschen Radiopropganda verweisen auf die NS-Zeit. 24. Juli
2003: Die deutsche Außenpolitik verschärft ihr Vorgehen gegen den
Iran und kooperiert dabei mit den USA. Die Berliner Taktik, unter dem
Vorwand der Menschenrechte Einfluss zu gewinnen, um zugleich ,,Dialoge´´
für die deutsche Wirtschaft zu führen, läßt die Spannungen mit
Teheran anwachsen. 23. Juli
2003: Die Bundesrepublik Deutschland entsendet paramilitärische
Einsatzkräfte in den Irak, die ,,in enger Zusammenarbeit mit den
verantwortlichen Stellen vor Ort´´ operieren. Damit wird das
Berliner Auslandskommando (THW/ Technisches Hilfswerk), das dem
Bundesminister des Innern (!) untersteht, der illegalen
Besatzungsverwaltung unter US-Befehl zugeordnet. Die deutsche
Teilnahme an der Okkupation ist in den vergangenen Wochen auf mehreren
Ebenen vorbereitet worden und nach Meinung internationaler Beobachter
grob rechtswidrig. 22. Juli
2003: Deutsche und amerikanische Militärspezialisten schlagen vor,
bei der zukünftigen Besetzung von Beutestaaten (,,Interventionspolitik´´)gemeinsam
vorzugehen, so daß die eroberten Ressourcen ,,multilateral
bewirtschaftet´´ werden können. Überfälle und Beuteteilung sollen
durch eine ,,Weiterentwicklung´´ des internationalen Völkerrechts
legitimiert werden. 21. Juli
2003: Berlin weigert sich, eine EU-Richtlinie in deutsches Recht
umzusetzen, die Diskriminierung ,,auf Grund der Rasse oder ethnischen
Herkunft" verhindern soll. Erst kürzlich hatte Außenminister
Fischer im EU-Konvent eine Liberalisierung des rigiden deutschen
Einwanderungsrechts, wie sie von Menschenrechtsorganisationen seit
Jahren gefordert wird, verhindert. Mit ihrer Praxis der rücksichtslosen
Abschiebung von Bürgerkriegsflüchtlingen geraten die deutschen Behörden
inzwischen sogar mit den Vereinten Nationen in Konflikt. 15. Juli
2003: Deutsche und französische Rüstungskonzerne ringen um die Verfügungsgewalt
über die Howaldtswerke Deutsche Werft AG (HDW), Deutschlands größte
Werft mit Tochterfirmen in Schweden und Griechenland. Die deutsche
Regierung erwägt unterdessen, eine deutsch-französische ,,Kerneuropa"-Kooperation
wie in der Luftfahrtindustrie zu etablieren, die den europäischen
Schiffsbau beherrschen würde. 10. Juli
2003: Das deutsche Bundesministerium des Innern hält eine
paramilitärische Truppe in Bereitschaft, die an der Seite der
US-Besatzer im Irak zum Einsatz kommen soll. Die Gesamtstärke der
1950 gegründeten Einheit (,,Technisches Hilfswerk"/THW) wird von
Berlin mit 75.000 Mann angegeben. ,,Fachgruppen" des THW wurden
bereits im Afghanistan-Konflikt mobilisiert. Die Organisation ist
weltweit tätig und verfügt über ein eigenes Logistikzentrum in
Afrika. 8. Juli 2003: Der deutsche Botschafter in Washington empfiehlt, Berlin und die EU sollten sich an dem Versuch der USA beteiligen, die ,,Fiktion von der (...) Gleichberechtigung der Staaten" zu beseitigen - wenn nötig, auch mit militärischen Mitteln. Im Gegenzug werden die Vereinigten Staaten aufgefordert, bei der ,,Neuordnung" der Welt die deutschen Interessen vorrangig zu berücksichtigen. 6. Juli
2003: Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), das französische
Forschungsinstitut ONERA und EADS/Airbus haben eine ,,strategische
Forschungspartnerschaft" geschlossen, die die europäische
Luftfahrt in der Konkurrenz mit US-Konzernen stärken soll. Die
deutsch-französische Kooperation soll - entsprechend den Planungen für
ein militärisches ,,Kerneuropa" - die Avantgarde bilden für
einen europaweiten Zusammenschluss. 26. Juni
2003: Airbus, eine Tochterfirma des deutsch-französischen
EADS-Konzerns, will eine eigene Produktionsstätte für Militärflugzeuge
in den USA bauen. Das Unternehmen hat inzwischen seinen Konkurrenten
Boeing beim zivilen Flugzeugbau überflügelt und schickt sich mit dem
Militärtransporter A 400M an, erstmals auch im militärischen Bereich
die bisherige Monopolstellung des US-Rivalen zu brechen. Dazu will
Airbus Zugang zu Rüstungsaufträgen des Pentagon gewinnen. 25. Juni
2003: Das deutsch-französische Unternehmen EADS, der weltweit zweitgrößte
Luft-, Raumfahrt- und Rüstungskonzern, hat im Konkurrenzkampf mit
seinem größten Rivalen, dem US-Konzern Boeing, an Boden gewonnen. In
einigen Geschäftsbereichen ist EADS bereits führend. In den anderen
Bereichen, vor allem im militärischen, will der Konzern den
Machtkampf verschärfen: ,,Wir wollen in allen Bereichen besser
oder zumindest in Sichtweite zu Boeing sein", kündigt
EADS-Chef Hertrich an. Boeing versucht unterdessen, seine Position in
Europa zu stärken und EADS durch Kooperationen an sich zu binden. 1. Juni
2003: Die Vereinigung der deutschen Historiker ruft dazu auf, die
,,Kategorie des Raumes ... wieder in den Vordergrund des Nachdenkens
zu rücken.´´ Zwar sei der ,,Raum´´-Begriff ,,nationalistisch
vereinnahmt worden´´, verdiene aber ,,neue Aufmerksamkeit´´, heißt
es in einer Veröffentlichung zum 45. Deutschen Historikertag an der
Universität Kiel. Mit der Entdeckung ,,prägende(r)´´ und ,,gliedernde(r)´´
Funktionen des ,,Raumes´´ wolle man dem ,,'cultural turn' der
letzten anderthalb Jahrzehnte´´ entsprechen, schreiben die deutschen
Historiker. 31. Mai
2003: Die Europäische Union schickt sich an, den Berliner Forderungen
zu folgen und ihrem ,,objektiven Weltmachtpotential´´ gerecht zu
werden. Mit einem ersten Kampfeinsatz der EU - Eingreiftruppe in
Afrika soll demonstriert werden, daß die EU in der Lage ist, ihre
Ordnungsmodelle weltweit auch militärisch durchzusetzen. 30. Mai
2003: Die Europäische Weltraumorganisation ist den deutschen
Forderungen nach einer ,,Neugestaltung der europäischen Raumfahrt´´
gefolgt. Berlin hatte eine strategische Neuausrichtung verlangt, die
den Weltraum für die deutsch - europäischen Ambitionen vor allem
auch in militärischer Hinsicht verfügbar machen soll - und setzte
sich damit durch. Eine Schlüsselrolle wurde dem deutsch - französischen
Rüstungskonzern EADS zugebilligt, der zukünftig die EU -
Raumfahrtaktivitäten dominieren wird. 28. Mai
2003: In den USA wird ein Gesetz vorbereitet, das Anklagen wegen
,,Verbrechen gegen die Menschlichkeit" notfalls mit militärischer
Gewalt verhindern soll, wenn US-Interessen betroffen sind. Dieses
Vorhaben richtet sich u.a. gegen deutsche Justizprojekte, die Berlin
das Recht zugestehen, solche tatsächlichen oder konstruierten
Verbrechen ,,unabhängig von Tatort und Nationalität der beteiligten
Personen" weltweit zu verfolgen. Damit wird der
deutsch-amerikanische Streit über die globale Definition von
Rechtstiteln, die bei Überfällen auf Drittstaaten zur Anwendung
kommen sollen (,,Weltinnenpolitik"), mit unveränderter
Heftigkeit fortgesetzt. 26. Mai
2003: Dr. Heinz Loquai, ehemaliger deutscher Repräsentant in der
,,Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa" (OSZE),
erhebt schwere Vorwürfe gegen die Berliner Regierung und die
deutschen Medien. Der mit deutscher Beteiligung geführte Angriff auf
die Bundesrepublik Jugoslawien vom März 1999 sei von ,,einer
zunehmenden Missachtung und Abwertung des Völkerrechts"
begleitet gewesen. Die bewaffnete Intervention habe den ,,Krieg (...)
wieder zum legitimen und erfolgversprechenden Mittel der Politik"
gemacht, heißt es in der jetzt veröffentlichten Studie des
Bundeswehrgenerals a.D. Der Krieg gegen Jugoslawien erscheine so als
,,eine Art Generalprobe für den Irak", erklärt Loquai. 25. Mai
2003: der deutschen Wirtschaft fordern ihre Mitglieder auf, sich bei
den Besatzern des Irak um Unteraufträge zu bewerben. Als
Bewerbungsort wird Kuwait-City angegeben, wo der US-Baukonzern Bechtel
am 28. Mai eine Konferenz interessierter Zulieferer abhalten wird.
Dabei sollen Mittel, die u.a. aus dem Haushalt der Vereinten Nationen
stammen, an westliche Firmen vergeben werden. Um die Beteiligung
kleinerer deutscher Unternehmen am Wirtschaftsregime der Besatzer zu
intensivieren, haben die Industrie- und Handelskammern (IHK) Köln und
Nürnberg im Juni und Juli spezielle ,,Irak-Seminare" angesetzt. 18. Mai
2003: In einem deutschen Strategiepapier zur Zukunft der Europäischen
Union wird mit dem Zerfall der EU und der Rückkehr zur ,,Machtpolitik
vergangener Tage" gedroht, wenn der von Berlin vorangetriebene
,,Aufstieg Europas zur globalen Macht" durch die
,,Blockadehaltung" einiger Mitglieder verhindert werde. Die
Autoren des Papiers, einflussreiche Politikberater, stellen dieser
Drohung das Szenario einer ,,Supermacht Europa" entgegen, die
insbesondere durch konsequente Aufrüstung ,,Machtparität mit den
USA" erreicht und damit ihrem ,,objektiven
Weltmachtpotential" gerecht wird. 12. Mai 2003: Die deutsche
Regierung, die die Europäische Union zur Durchsetzung eigener
Weltmachtansprüche gegen die USA nutzen will, meldet offen ihren Führungsanspruch
in der EU an. Außenminister Fischer will die diplomatischen Dienste
der EU-Mitgliedsstaaten der Berliner Hegemonie unterstellen: Er
fordert die Einrichtung eines mit weit reichenden Kompetenzen
ausgestatteten europäischen Außenministeriums, für das Fischer
selbst als Kandidat in Stellung gebracht wird. 10. Mai 2003: Die Bemühungen, zur Durchsetzung
eigener Weltmachtansprüche gegen die Vereinigten Staaten eine eigenständige
europäische Militärmacht zu etablieren, wirken sich bereits auf die
Rüstungsindustrie aus. Berlin und Paris haben durchgesetzt, dass ein
bedeutender Auftrag für die A 400M-Militärtransportflugzeuge nicht
an ein US-Unternehmen, sondern an ein europäisches Konsortium
vergeben wurde. Nur die eigenständige Verfügung über
Kriegstechnologie werde ,,den Europäern die nötige Machtbasis
verschaffen, um gemeinsame Interessen weltpolitisch wirkungsvoll zu
vertreten", heißt es. 8. Mai 2003: Berlin
verlangt eine ,,Neugestaltung der europäischen Raumfahrt", die
den Weltraum für die deutsch-europäischen Weltmachtambitionen verfügbar
machen soll - vor allem auch in militärischer Hinsicht. Mit der
,,Neuordnung" der Raumfahrt will Berlin Zugriff auf die
Ressourcen der EU-Mitgliedsstaaten erhalten - im Einverständnis mit
Paris und gegen den hinhaltenden Widerstand Großbritanniens. 4. Mai 2003: Deutschland
erhält unmittelbaren Einfluss auf die Wirtschaft der Islamischen
Republik Iran. Dies ist das Ergebnis von Regierungsgesprächen, die
Ende April in Bonn stattfanden. Die Vereinigten Staaten, die sich im
Nahen und Mittleren Osten mit einem wachsenden deutschen Einfluss
konfrontiert sehen, verschärfen unterdessen ihre Kriegsdrohungen
gegen Teheran. 30. April 2003: Der
Bundesvorstand der CDU hat einen umfangreichen Beschluss zur zukünftigen
deutschen Außenpolitik gefasst, in dem strategische Pläne der
SPD-Regierung um mehrere Varianten ergänzt werden. Das
10-Seiten-Papier empfiehlt Berlin, ,,neue Handlungsspielräume"
zu nutzen sowie ,,breitere politische Gestaltungsaufgaben" im
,,Nahen Osten, (am) Persischen Golf und (in) Zentralasien"
wahrzunehmen. Dazu müsse weiter aufgerüstet werden. Die Grundlagen
des internationalen Staatenrechts, das Angriffskriege unter Strafe
stellt, werden von der CDU als ,,problematisch" bezeichnet. 27. April 2003: Wenige
Wochen vor Veröffentlichung eines aktualisierten Katalogs militärischer
Zielplanungen der Bundeswehr kursieren Auszüge des Papiers in den
deutschen Medien. Demnach sehen die ,,Verteidigungspolitischen
Richtlinien", die zuletzt 1992 erlassen worden waren, weltweite
Angriffe auf Gebiete fremder Staaten und die Okkupation ihrer
Territorien durch Bundeswehreinheiten vor. 26. April 2003: Der deutsche Rüstungskonzern
Rheinmetall bereitet nach einer Konsolidierungsphase die weitere
Expansion vor. Auch in den USA erwartet das Unternehmen gute Geschäftschancen,
wenn Berlin den sich abzeichnenden politischen Kompromiss mit
Washington eingeht. 25. April 2003: Im Bundestag zeichnet sich eine
breite Mehrheit für ein ,,Entsendegesetz" ab, das die
Entscheidungsgewalt des gewählten Parlamentes über Bundeswehreinsätze
einschränken und die entsprechenden Vollmachten weitgehend an die
Exekutive übergeben soll. 24. April 2003: Der weltweit zweitgrößte Luft-, Raumfahrt-
und Rüstungskonzern EADS integriert sein Rüstungsgeschäft und will damit bis
2005 seinen Rüstungsumsatz um 60 Prozent auf rund 9,6 Milliarden Euro steigern.
Die Umstrukturierung dient der Konsolidierung der europäischen Rüstungsindustrie
und verbessert die Voraussetzungen für den Aufbau einer eigenständigen europäischen
Militärmacht. 23. April 2003: Das staatlich finanzierte ,,Institut für Länderkunde"
(IfL), eine deutsche Einrichtung für die Verwissenschaftlichung politischer
Territorialplanungen, veröffentlicht neue ,,Raumuntersuchungen", deren
operative Stoßrichtung Polen, Weißrussland und Teile der GUS einbezieht. Im
Mittelpunkt des Untersuchungsinteresses stehen ,,periphere Regionen", deren
Grad der Anbindung an den jeweiligen Zentralstaat analysiert wird. Insbesondere
interessiert sich das Institut für die wirtschaftlichen Verhältnisse in
mehreren osteuropäischen Grenzregionen und für die dort wirksamen Fliehkräfte. 21. April 2003: Die geplante Übernahme des italienischen
Flugzeugunternehmens Fiat Avio durch die US-Vermögensverwaltungsfirma Carlyle
sorgt in der europäischen Rüstungsindustrie für Unruhe. Vertreter deutscher Rüstungskonzerne
und ,,Wehrexperten" fürchten seit längerem, US-amerikanische Rüstungsunternehmen
könnten sich in deutsche und europäische Unternehmen einkaufen. Dies böte den
Vereinigten Staaten Chancen, auf die geplante europäische Militärmacht
Einfluss zu nehmen. 20. April 2003: Die Vereinigten Staaten haben der deutschen
Regierung ein ,,Angebot zur Wiederbelebung der militärischen
Zusammenarbeit" unterbreitet, das auf die weitere gemeinsame Durchführung
großer Rüstungsprojekte abzielt. Berlin, das für die Durchsetzung seiner
Interessen im Mittleren Osten derzeit auf Kooperation mit den USA angewiesen
ist, fürchtet eine Stärkung der US-amerikanischen Rüstungsindustrie auf
Kosten deutscher Konzerne sowie Störmaßnahmen gegen den Aufbau einer eigenständigen
EU-Militärmacht. 19. April 2003: Pläne der deutschen Regierung sehen einen
militärischen Zusammenschluss des deutsch-französischen ,,Kerneuropa"
vor, der als ,,Europäische Verteidigungsunion" (EVU) mit gegenseitiger Bündnispflicht
außerhalb der EU-Verträge gegründet werden und weit gehend unabhängig von
der NATO operieren soll. Gegenüber weiter reichenden französischen und
belgischen Vorschlägen gibt sich Berlin als mäßigende Kraft, um eine allzu
offene Frontstellung gegen die NATO und die USA zu vermeiden und die spätere
Einbeziehung Großbritanniens und anderer bisher kritischer EU-Staaten zu ermöglichen. 16. April 2003: Der Zusammenbruch des internationalen
Staatenrechts und die Ausweitung der Kriegspermanenz auf weitere arabische Länder
stößt in Berlin auf keinerlei offizielle Proteste, wird aber von kritischen
Anmerkungen der deutschen Außenpolitik begleitet. Die Bedenken richten sich
gegen eine unmittelbare militärische Unterwerfung der Syrischen Arabischen
Republik (SAR). 15. April 2003: Die deutsche Regierung beginnt die Weichen für
einen Einsatz der Bundeswehr im Irak zu stellen. Detaillierte Gespräche über
einen schnellen Einsatz deutscher Truppen im Südirak sollen bereits
stattfinden. Zudem bereitet Berlin offensichtlich eine weitergehende Beteiligung
der Bundeswehr an der Besatzung des Irak durch direkte Absprachen mit den USA
vor. 7. April 2003: Der deutsche Bundeskanzler hat die Forderung
eines einflussreichen Berliner Politikberaters aufgegriffen, der den USA die
,,Welthegemonie" streitig machen möchte. In einer Regierungserklärung
forderte der deutsche Bundeskanzler die weltweite ,,Durchsetzung des
Rechts" auch mit ,,polizeiliche(n) und militärische(n) Mittel(n)".
Kanzler Schröder rief dazu auf, die militärischen Fähigkeiten der EU
entsprechend weiterenzuentwickeln.
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